Julietta - Hintergründe
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Julietta und der Ordo Bucintoro

 

Der italienisch-deutsche Geheimbund Ordo Bucintoro, der noch 1944 von Otto Skotzerny und Valerio Borgherse erneuert worden sein soll, hat seine Wurzeln im Mittelalter.

 

Anfang des 12. Jahrhunderts erlitt der normannische Ritter Gottfried von Saint-Omer einen schweren Verlust. Seine junge Frau Jocelyne (ebenfalls normannischer Herkunft) kam bei einem Reitunfall ums Leben, erst zweieinhalb Jahre nach der Hochzeit. Es gab bereits ein Kind, einen kleinen Sohn. Seelisch zerrüttet wegen des Verlusts seiner Frau, beschloß Saint-Omer, Kreuzfahrer zu werden. Den Sohn übergab er seiner Schwester Margareta in Obhut, die mit einem burgundischen Ritter verheiratet war. Dieses Ehepaar nahm das Kind später als ihr eigenes an.

 

Saint-Omer wurde, neben Hugo de Payens, der maßgebliche Gründer des Tempelritterordens. Dieser Aufgabe widmete er sich ganz. Sein Sohn erhielt durch die Adoptiveltern eine gute Ausbildung. Später wurde er u.a. mit diplomatischen Aufgaben für den Templerorden betraut. Diese Funktion wurde zu einer Tradition der Familie.

 

Nach Zerschlagung des Tempelritterordens war es u.a. einer der Nachkommen Saint-Omers, der die geretteten Geheimnisse des Templerordens hütete. Es fanden auch mehrere Treffen mit Hugo von Weitenegg statt, dem Führer der "Geheimwissenschaftlichen Sektion" (Signum Secretum Templi).

 

Jahrhunderte vergingen, ohne daß die Reste des Templererbes Verwendung fanden. Erst um 1500 kam es zu einer Wiederbelebung einzelner Komponenten, insbesondere jener der deutschen "Geheimwissenschaftlichen Sektion" aus Wien.

Ein Nachkomme Saint-Omers namens Emmerich war in diplomatischer Mission für den Hof von Burgund in Rom. Dort lernte er die Marchesa Antionia (Antonietta) Contenta di Civella kennen, eine junge Witwe, geborene Contini aus Ferrara, mit dem venezianischen Dogen Leonardo Loredan verwandt. Emmerich verliebte sich in Antonietta. In der Stadt Rom herrschte zu jener Zeit eine ungeordnete Oligarchie. Das Paar gingen in die Republik Venedig, wo Antonietta Verwandte hatte. Sie ließen sich dort nieder. Fasziniert von den Erzählungen Emmerichs um die alten Templergeheimnisse, regte Antonietta die Gründung eines geheimen Ordens, der einige der Templer-Motive aufgreifen sollte. Sie war die Triebfeder, aus welcher der Ordo Bucintoro hervorging.

 

Die Gründung des Ordens fand im Hause der deutschen Kaufmannschaft zu Venedig statt, die dort sehr einflußreich war und zu der Emmerich von Burgund her Verbindungen besaß.

 

Der Name Bucintoro geht auf eine alte venezianische Volksmythe zurück. Einst gab es ein prachtvolles goldenes Schiff, mit dem der Sage nach ein berühmter Doge in den Himmel fuhr. Immer um die Zeit von Christi Himmelfahrt wurde insbesondere von den Seeleuten ein 'Bucintoro-Fest' gefeiert, das gleichsam die Vermählung Venedigs mit dem Meer versinnbildlichte, ein Fest von im Grunde heidnischer Art.

Es ist nicht überliefert, áus welchem Grunde der Name ORDO BUCINTORO gewählt wurde. Allgemein heißt es, es sei eine Geste des Dankes an die Freizügigkeit der Republik Venedig gewesen.

 

Um 1510 stieß die junge Julietta da Montefeltro zum Ordo Bucintoro. Diese Frau wurde zur Schlüsselperson des Ordens, zumal Antonietta und Emmerich nach Wien gingen, wo sie heirateten und fünf Kinder hatten.

 

Die zentrale Idee des Ordo Bucintoro war die Errichtung eines IMPERIUM NOVUM. in dem sich die römische und die germanische Welt zur gemeinsamen Herrschaft über ein neues Äon vereinigen sollte.

 

Die Vorlage zu dieser Idee war die gleiche, die schon für die Wiener Templer gegolten hatte; sie ging auf den römischen Imperator Octavianus Augustus zurück, dessen Idee es gewesen war, Rom und Germanien in einem gemeinsamen Reich zu vereinigen, anstatt Krieg zu führen.

In jüngerer Vergangenheit inspirierte dieses Motiv wohl auch die Achse Berlin-Rom. Der Thule-Orden des 20. Jahrhunderts, der bis zur Machtübernahme des Nationalsozialismus eine gewisse Rolle in Deutschland gespielt hatte, betrachtete sich offenkundig ebenfalls als Wahrer solcher Templer-Vorstellungen.

 

Der Templer-Mythe nach, sollte Augustus im Aufgang des Neuen Äons durch die magische Vermählung mit einer Germanin wiedergeboren werden und die Herrschaft über das IMPERIUM NOVUM ausüben.

Allzu oft wird vergessen, daß Europa dem Imperator Augustus die längste Friedensepoche der Geschichte verdankt. Der 'Friede des Augustus' währte über 200 Jahre!

 

In der Mythe, von der nun zu sprechen ist, hat auch die 'Große Figura' der Wiener Templritter eine Rolle gespielt. Es ist nicht unmöglich, daß diese Figur auf dem Umweg über Genua von Wien nach Venedig gelangte, wo - Jahrhunderte später - der Ordo Bucintoro die gleichen Ideen weiterführte.

 

Der Ordo Bucintoro weitete sich von Venedig her schnell aus. Bis Mitte des 16. Jahrhunderts besaß er ein Netzwerk, das sich über ganz Italien und Deutschland/Österreich zog (einschließlich der heutigen Schweiz). Der zweite Hauptsitz des Ordens, nach Venedig, wurde Dessau (Sachsen-Anhalt), das Stammland der Askanier.

 

Zur Zeit der Julietta unternahm der Ordo Bucintoro zahlreiche diplomatische Vorstöße, insbesondere, um ein Bündnis zwischen der Republik Venedig und den deutschen Hansestädten zu schmieden, was zum Teil auch gelang.

Julietta, die mit einem deutschen Prinzen (aus dem Stamme Askanien) liiert war, bereiste fast alle deutschen und italienischen Lande, außerdem hielt sie sich mehrfach in Spanien auf. Sie konferierte u.a. auch mit dem deutschen Kaiser, dem sie in Manuta begegnete.

 

Die Grundlagen des Ordo Bucintoro waren sowohl materiell ausgerichtet (z.B. durch Verbindungen zu den Fuggers) wie auch - und dies besonders stark - auf magische Vorstellungen gegründet.

 

Um 1700 verlor der Orden seine spirituelle Bedeutung wie auch seine unmittelbar machtpolitischen Ambitionen. Er bestand noch bis ca. 1830 fort, jedoch weitgehend ohne den alten Hintergrund (jedenfalls muß das angenommen werden).

Allerdings dürften die politischen Ambitionen doch noch vorhanden gewesen sein. Friedrich von Schiller hat seinen Roman "Der Geisterseher" nicht vollendet und den "Bucintoro" darin vorerst ohne detaillierte Hintergründe geschildert. Das Motiv des deutschen Prinzen und der Unbekannten Schönen (die auf Murano lebt, den alten Sitz des Ordo Bucintoro) läßt die Vermutung zu, daß Schiller in seinem Roman sehr wohl noch näher auf diese Motive eingehen wollte.

 

Um Julietta ranken sich zahlreiche Legenden. Sie galt als unsterblich.

E.T.A. Hoffmann arbeitete an einem Roman zu diesem Thema, den er jedoch nicht mehr vollenden konnte. Offenbach übernahm das Motiv in seine Oper "Hoffmanns Erzählungen," wenngleich wenig historisch. Original ist jedoch die berühmte Baccarole der Julietta aus dem 2. Akt der Oper, Offenbach hat dieses alte venezianische Lied nur instrumentiert und so für seine Oper verwendet.

 

Im Jahre 1884 wurde ein Gemälde der Julietta in Wien ausgestellt, das magische Wirkung ausgestrahlt haben soll. Auf alle Fälle verliebten sich ernsthafte Männer in dieses Bild, es begann eine Suche nach dem Grab der Julietta, das sich jedoch bisher nicht fand.

 

Auch die "Alldeutsche Gesellschaft für Metaphysik" (Virl-Ges.) hat sich zwischen 1922 und 1945 mit dem Julietta-Motiv befaßt. Angeblich gelang es den Damen dieses Kreises sogar, das Tagebuch der Julietta aus Italien zu bekommen wie auch das Buch "T+M" des Christian von Rosencreuz, daß sich in Juliettas Besitz befunden haben soll.

 

Einer der mystische Kernaspekte des Ordo Bucintoro hat offenbar in dem Glauben bestanden, durch spezielle magische Verfahrensweisen den Weg zur gezielten Wiederverkörperung gehen zu können. Die Mitglieder des Ordens wußten, daß das von ihnen angesteuerte Ziel des IMPERIUM NOVUM erst in einem 'Neuen Zeitalter' würde verwirklicht werden können, dessen Aufgang zu Beginn des 21. Jahrhunderts angenommen wurde.

Aus diesem Grunde trafen sie ihre magischen Vorbereitungen, dank derer sie sich zum richtigen Zeitpunkt wiederverkörpern würden.

Dann sollte durch "Eröffnung" der Großen Figura und einen sexualmagischen Akt auch die Wiederverkörperung des Kaisers Augustus bewirkt werden.

Der große Augustus würde sodann ein Heer aufstellen, alle noch vorhandenen Mächte des vergehenden finsteren Zeitalters besiegen und das IMPERIUM NOVUM errichten ...

 

Über die historische Julietta ist sehr wenig gesichert. Im 16. Jahrhundert lebte sie als junge Frau in Venedig. Sie stand mit dem Bucintoro in enger Verbindung, ist aller Wahrscheinlichkeit nach eine „Sacerdotessa“ gewesen, eine Priesterin der Göttin Venus.

Julietta galt als die schönste Frau Venedigs und ganz Italiens. Es sind mindestens zwei Gemälde von ihr erhalten sowie mehrere Miniaturen und auch Beschreibungen aus der Zeit.

 

Schon zu Juliettas Lebzeiten gab es zahlreiche Legenden um sie, welche sie mit übernatürlichen Mächten im Bündnis sahen, resp. in ihr selbst ein überirdisches Wesen sehen wollten. Tatsache ist, daß Julietta im Dogenpalast ein und aus ging. Da dies sehr offen geschah, wird sie gewiß keine eine Kurtisane gewesen sein (im Gegensatz zu „Hoffmanns Erzählungen“). Auch eine „Hexe“ oder „Zauberin“ würde der Doge kaum so offiziell zu sich eingeladen haben. Damit ist jene Meinung am wahrscheinlichsten, die Julietta für eine Frau in geheimen diplomatischen Diensten der Republik Venedig hielt.

 

Juliettas enge Verbindung zum Ordo Bucintoro ist nachgewiesen. Eines der erhaltenen Bilder von ihr zeigt sie im Garten des dem Orden gehörenden Hauses auf Murano. Ein zweites Gemälde stellt Julietta in einer Gondel dar. Beide Bilder sind sehr ähnlich.

 

Die Miniaturen sind mit hoher Wahrscheinlichkeit nach einer einzigen Vorlage entstanden, überwiegend also Kopien.

 

Vieles spricht dafür, daß Julietta die eigentliche Schlüsselperson des Ordo Bucintoro gewesen sein dürfte.

 

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28. Juli 2010 20:13:51 +0200