Ilu - Baal ( Bruchstück )

1.  1 So spricht Baal-Hammon, der Führer des hehren Mittelreichs, zu den der Tat zugewandten Erdenwesen:

1.  2 Schaut um euch, prüft eure Welt, fragt eure Sehnsucht, was Daseinszweck sei.

1.  3 Da werden die Geister dreifach sich scheiden: Dem stillen Licht zu werden streben die einen; der grausen Hölle zu neigen die anderen; die Tapferen aber suchen die Tat! Ihnen ist des Mittelreichs Pforte geöffnet.

1.  4 Wer kann und will, der schaue hinüber durch Grünlands Weiten zu mir. Wer kann und will, der sehe des Mittelreichs stolze Stätte. Die gehörnten Helden stehen auf Mittelreichs Zinnen zur Wacht, nicht schreckt sie der Höllenfeind je, nicht beugen sie sich je fremden Willen; sie sind ihres eigenen Wollens. Stark führen sie Schwert und Speer.

1.  5 Il's Hilfe erflehen sie nicht noch rufen sie Ascheras Mittlung; Baal-Hammon führt sie, Tani beschirmt sie, Moloch ist ihr Schild, Astarte ihr Blumenduft.

1.  6 Hoch fliegt Mittelsreichs Zeichen, kühn ist die Tat, verschworen der Wille - Mittelreich gehört sich selbst allein; keiner bezwingt es!

1.  7 Heil sei all jenen, die Tat und Wille sich selbst sind. Nicht stille Rast ist ihr Wünschen, nicht sanfte Ruhe an Gottesreichs Quellen. Nicht erstreben sie kindisches Spiel. Nicht Beschirmung suchen sie durch einen Herren -

1.  8 Denn wer beschirmt ist, der ist auch gefangen.

1.  9 Wer aber frei sein will und grenzenlos fühlt - der ist ein Tapferer; Mittelreich heißt sein Heim, Baal-Hammon sein treuer Führer.

1.10 Er achtet des Gottesreichs Licht, doch nie ist er Knecht.

1.11 Wehrmacht für alle ist er wider Schaddei, den keiner in seine Grenzen verwiese zum anderen Mal, kämpften die Helden des Mittelreichs nicht.

1.12 So spricht Baal - Hammon, des hehren Mittelreichs Führer, so gibt er Kunde, zeigt deutliches Bild.

2.  1 So sendet Kunde auf die Erde Baal-Hammon, der Führer der Tapferen:

2.  2 Fürchtet eine Welt nicht, in der es Schatten gibt; denn in einer solchen Welt gibt es auch Licht.

2.  3 fürchtet hingegen die Schattenlosigkeit; denn Lichtlosigkeit herrscht vor in ihr,

2.  4 und nichts ist so grausam wie das Grau.

2.  5 Fürchtet eine Welt nicht, in der Ungleiches ungleich ist; denn solch eine Welt ist farbenfroh und gerecht.

2.  6 Fürchtet hingegen die Gleichmachung; denn wo Gleichmachung vorherrscht, da gibt es weder Schatten noch Licht, weder Farbe noch Freude - und keine Gerechtigkeit.

2.  7 Fürchtet eine Welt nicht, in der Gerechtigkeit herrscht, mag diese auch hart erscheinen von Mal zu Mal.

2.  8 Denn Gerechtigkeit nimmt an, was ist, Ungerechtigkeit hingegen will verändern, was unveränderbar ist, und übt also die Gewalt grauer Einöde.

2.  9 Erkennt der Vielfalt Reichtum und der Mannigfaltigkeit Schatz.

2.10 Wehret der Vermengung, durch welche die Grenzen verwischen und ödes Einerlei entsteht.

2.11 Laßt euch nicht betören von Teufeln, die das Einerlei preisen; Heuchler sind sie, Verführer; sie wollen das trübe Grau über den Welten.

2.12 Bequemlichkeit tragen die Teufel euch wohl an.

2.13 Schmarotzer züchten die Teufel heran; arg ist ihr Trachten, verschlagen und voll des Betrugs.

2.14 Licht versprechen sie denen im Schatten, damit jene das Licht fort nehmen, welches die Schatten wirft,

2.15 und graue Dunkelheit über alles dann herrsche. Denn wer nicht durchsteht die Schatten, der sieht niemals Licht;

2.16 weil ja Licht und Schatten untrennbar Geschwister sind.

3.  1 Dies lässt sagen euch Menschen der Erde Baal-Hammon, des Mittelreichs Führer:

3.  2 Trauert nicht über das, was auf Erden vergeht - es ist nicht verloren, ihr findet es wieder in kommender Zeit.

3.  3 Was jemals war, ist in Ewigkeit.

3.  4 Geht eures Wegs und schaut stehts voran. Was zurückliegt, trefft später ihr wieder, so ihr wollt.

3.  5 Laßt euch nicht schrecken von dunklen Gedanken: Schaddeins Teufel senden sie euch und in der Wahrheit bestehen sie nicht.

3.  6 Mit jedem Tage, den ihr vorangeht, kommt ihr näher dem Ziel.

3.  7 Schaut euch nicht um, nutzt für das Kommende eure Kraft -

3.  8 was zurückbleibt, folgt euch ohnehin nach in späterer Zeit.

3.  9 Wie das Wasser eines Stromes dahin fließt, so ist das Leben; nicht hält es inne, Pause kennt es keine, der Mündung fliesst alles entgegen.

3.10 Wo das Wasser vorbei floß, dorthin kehrt es nie mehr zurück, wer sich umwendet, der sieht kein Ziel und ändert doch nichts von alledem, was war.

3.11 Was an Taten auszubessern es gilt, das harrt eurer in einer späteren Welt -

3.12 die Erdenzeit kennt kein zurück, ihre Stunden, ihre Tage und Jahre fließen wie das Wasser des Stromes dahin, gegen dessen Richtung der Schwimmer nicht ankämpfen kann.

3.13 Der Kampf wird erneuert in späterer Zeit, die von anderer Art ist und von anderem Flusse.

3.14 Seid bereit zu durchtauchen die Schnellen des Stromes. Erleben und Erkennen ist euer Lohn, heisst euer Erdensinn.

3.15 Nicht Vergnüglichkeit zu erfahren seid ihr hier geboren - sondern zu tun eine Pflicht.

4.  1 So lehrt Baal-Hammon, zu wissen all jenen, die den geraden Weg gehen:

4.  2 Was zur Pflicht ist euch Menschen der Erdenwelt, die ihr da durchwandert das dortige Leben, das ist zu nennen: Erkennen, finden und fassen und halten.

4.  3 Was Pflicht ist euch mehr, das ist, den noch wartenden vielen einst Gefallenen da im Meer des Schweigens wieder Leben zu geben. So ihr Kinder euch zeugt, tut ihr dies. Denn viele noch liegen in Ohnmacht dort freudlos und still.

4.  4 Was Pflicht ist euch auch, meint zu bewahren die Reinheit des Geistes und die Reinheit der Art. Denn allein Reines finde den Weg einst zurück in Grünland und den Bahnen der Welten des Jenseits.

4.  5 Was aber Pflicht ist, das ist auch Freude. Denn wo recht getan wird, da erblüht das Empfinden des Rechten. Daraus entspringt Licht. Und aus dem Licht schafft sich Freiheit.

4.  6 Was auch Pflicht euch ist, bedeutet, zu wehren der Finsternis tückischer Macht. Es ist nicht... ( Ende des Fragments)