Die Magie der Sexualität

 

Befragen wir die neuzeitliche Wissenschaft, was denn den Menschen am meisten bestimme, so erhalten wir die Antwort: Der Selbsterhaltungstrieb und der Geschlechtstrieb. Das trifft zweifellos zu. Für starke Persönlich-keiten gilt es in umgekehrter Reihenfolge: Der Geschlechtstrieb steht noch vor dem Selbsterhaltungstrieb. Denn wo zu dem bloßen sexuellen Trieb die Liebe des Herzens hinzukommt, da erlischt jedes Denken an sich selbst, der andere, die andere, gilt uns mehr als alles, auch mehr als unser eigenes Leben. Wir sind bereit zu sterben, jede Qual auf uns zu nehmen – für Sie, für Ihn. Darum gibt es keine Kraft, die jener einen gleichkommt, welche wir die Liebe nennen. Sie ist niemals bloß Körper, aber auch niemals nur Geist. Erst dies beides gemeinsam schafft wahre Liebe. Sie gewinnt in ihrer Vollkommenheit die astrale Dimension – darin besteht ihr höchstes Ziel. Die Liebe ist eine Himmelsmacht – und sie ist die bedeutendste Triebfeder in uns allen.

 

Die drei großen Schulen der Psychologie (Freud – Jung – Adler) bieten anscheinend widerstreitende Theorien. Sigmund Freud führte alles auf die Libido zurück, also auf die Sexualität, C.G. Jung auf Archetypen, die fest im Menschen verwurzelt seien, und Alfred Adler meinte, den Machttrieb obenan stellen zu sollen. Schließlich münden alle diese Auffassungen wieder dort, wo Freud angesetzt hatte (mag auch insbesondere Jung eine Reihe bemerkenswerter Zusatzaspekte durchdacht haben). Und doch hat auch Freud nicht verstanden, was jene Kräfte in ihrer ganzen Größe bedeuten, was sie bewegt und was sie bewegen. Nach Wissenschaftlerart studierte er nur das Detail – wie der Forscher, der ein Präparat durch sein Mikroskop beäugt und das Leben um sich herum nicht mehr wahrnimmt. Sexualität allein bliebe wirkungslos, wären da nicht noch andere Kräfte, die ihr erst ihre Flügel verleihen. Weil es aber jene anderen, hinzukom-menden und beflügelnden Kräfte gibt, steht die Sexualität im Mittelpunkt unseres Lebens. Sie beinhaltet allen den Sinn unseres ganzen Daseins, sie ist die bedeutendste, die alles bewegende Macht. Um dies zu erkennen bedarf es keines Psychologen. Wir spüren es unfehlbar in uns selbst. Und doch gibt es höhere Stufen, ganz besonders wichtiges. Das ist heutzutage bei vielen  verkümmert.  Aber es ist doch noch vorhanden, es  läßt sich er-

 

 

 

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wecken! Wir müssen es tun! Wer dies versäumte gliche einem Reisenden, den in Ägypten war, aber die Pyramiden nicht sah. Denn erst das Erleben des astralen Eros ist die Offenbarung der Liebe!

 

Diese so nüchtern begonnene Betrachtung leitet zu einer wichtigen Erkenntnis: Es gibt da eine Kraft in uns, eine ungeheuer starke, die ständig zur Entfaltung strebt und in der Lage ist, uns über die Schwelle unserer menschlichen Begrenztheit hinaus zu führen. Alles wird möglich aus dieser Kraft! Allerdings: Sie vermag ihr volles Potential bloß dann zu entwickeln, wenn die individuelle Geschlechtlichkeit stark genug ausge-prägt ist. Das ist eine unabdingbare Voraussetzung. Emotionale wie auch sexuelle Erfüllung gehen aus der geschlechtlichen Klarheit hervor. Dafür zu sorgen, liegt an jedem einzelnen Menschen selbst, es ist jedem mög-lich. Allein frauliche Frauen und männliche Männer können ihre von der göttlichen Natur in ihnen vorgezeichneten Potentiale nutzen. Bei anderen verkümmern diese, und solche Menschen werde in ihrem Leben nie glücklich sein, sie werden die höchsten Wonnen der Liebe niemals erfahren, sie werden nicht einmal ahnen, was das ist. Die Worte Sex und auch Liebe mögen sie kennen, doch sie Verstehen nicht deren Bedeutung. Was sie für Glück und Wonne halten, ist nichtig und klein, doch sie wissen es eben nicht anders. Solche Leute laufen neben dem Leben dahin und merken es nicht. Es gibt derer heutzutage viele. Aber die meisten von ihnen könnten den Weg zum Glück finden und gehen – wie Ihr.

 

Ausschlaggebend für die vollkommene Liebe, für das Gelingen des magi-schen Liebesakts, ist die astrale Lichtkraft der beiden Partner. Um diese zu gewährleisten, ist es notwendig, den diesseitigen grobstofflichen Leib möglichst weitgehend in Übereinstimmung mit dem innenliegenden Astralkörper zu bringen, so daß die astrale Atmung funktioniert und ständig ein hohes Potential an astralem Licht vorhanden ist. Dieses astrale Licht könnten wir das Blut des Astralkörpers nennen. Es entscheidet über unser geistiges und über unser sexuelles Potential – und über alle damit zusammenhängenden Faktoren. Darum wird hierüber noch besonders aus-führlich gesprochen werden.

 

Ein wichtiger Schlüssel liegt im Begreifen unseres Körpers als das, was er ist: Die Umhüllung eines in der diesseitigen Welt nicht sichtbaren Astral-körpers.

 

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Dabei sind die Unterschiede zwischen dem Astralkörper der Frau und dem Astralkörper des Mannes viel größer, als die diesseitig sichtbare Körper es zeigen. Was die Wissenschaft die primären Geschlechtsmerkmale nennt, betrifft die grobstofflichen Umhüllungen. Für die Astralkörper gelten er-weiterte Maßstäbe. Deshalb ist es für Frauen beispielsweise so wichtig, daß sie sich ihre Haare lang bewahren, denn lange Haare sind ein primäres Geschlechtsmerkmal des weiblichen Astralkörpers. Das grobstofflichen Gegenstück ist unerläßlich für den astralen Atem der Frau und für die Ent-faltung des astralen Lichts in ihr. Aus guten Gründen blieben daher die Haare der Frauen in den Zeiten der Hochkulturen immer lang. Für Männer gelten im astralen Aspekt ganz andere Prioritäten. Über all dies wird noch ausführlich zu sprechen sein.

 

Die Magie der Liebe werden allein diejenigen erleben und anwenden können, die genug astrales Licht in sich haben – dank intakter Astral-atmungsorgane. Wo dies gegeben ist – und das liegt an jeder Frau und jedem Manne selbst – eröffnet sich die Perspektive der Erotik im astralen Licht, der höchste Gipfel dessen, was Menschen in dieser Welt erfahren können. Denn erst der astrale Eros schafft die unmittelbare Verbindung mit der göttlichen Ebene. Wer den astralen Liebesakt vollkommen be-herrscht, überwindet die Sterblichkeit. Dies kann zwei unterschiedliche Wege beschreiten: Den bewußten und den unbewußten. Der unbewußte Weg führt in die „Welt der ewigen Morgenröte“ hinein wie in einen wunderschönen Traum. Zurückkehrend, sind enorme Kräfte aufgespei-chert. Zugleich ist der Platz in einer anderen Welt gesichert, von der aus, nach dem Sterben auf der Erde, immer Rückkehr möglich ist. Der bewußte Weg bedeutet: Niemals sich selbst zu entgleiten. Ein Sterben als Wechseln des Körperkleids erfolgt irgendwann naturgemäß, doch das Ich-bewußtsein vergeht in keinem Augenblick; man kontrolliert sich selbst und was geschieht genau, bestimmt den selbstgewählten, vorgebahnten Weg. Das mag phantastisch klingen und ist doch mehr als eine Mythe. Die rein grobstofflich-sexuelle Vereinigung von Mann und Frau überwindet den Tod, da neues Leben gezeugt wird; der astrale Liebesakt überwindet das Sterben an-sich! Was immer sonst Magie genannt werden mag, verblaßt im Scheine dieses einen Tuns. Es ist das Höchste, das Erwecken des rein  Göttlichen im  Menschen!  Und es ist  mehr als Legende.  In alter

 

 

 

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Zeit schon wußten es die Anhänger der Göttin – mögt Ihr diese nun als Sinnbild sehen oder als eine personifizierte göttliche Kraft, darauf kommt es nicht an. Entscheidend ist das Begreifen und Ergreifen der fließenden Kräfte der höchsten Erotik. In früheren Zeiten war dies wohl bekannt. Dann kam das Zeitalter der Finsternis. Wenige nur vermochten noch, den Lichtstrahl der Göttin voll zu sich hin anzuziehen. Doch bis in den Be-ginn des 20. Jahrhunderts hinein gelang es Wissenden immer wieder und sogar vielen, die nur ein ausreichend starkes Ahnen in sich verspürten. Erst in der Phase tiefster Finsternis, die in der Folge des ersten Weltkriegs kam und bis zum Anfang Sechzigerjahre reichte, wurde es besonders schwierig. Inzwischen naht das Morgenrot des Neuen Zeitalters. Seit den Siebzigerjahren nahm sein erster Schimmer zu, etwa seit 1990 ist er wirkungsvoll. Bald wird der Strahl dieses Lichtes voll die Erde erfassen und die Macht der Göttin wird sich entfalten. Bereits jetzt erfühlen immer mehr Frauen und Männer das astrale Licht und begreifen – erst unbe-wußt, als eine wundersame Kraft, die im Äther schwebt, dann diese in sich selbst erkennend – und schließlich im bewußten Eros des astralen Liebesakts. Manche vermögen dies schon jetzt, und derer werden immer mehr. Oft fehlt nur ein letzter Hauch des Verstehens, um die magische Liebe an sich vollauf wirksam werden zu lassen. Jenes Begreifen zu vermitteln, ist ein Anliegen dieses Buchs. Wir wollen auf den Seiten, die noch folgen, viel darüber sprechen, manches verdeutlichen – im Geist erwecken, was dort darauf wartet! Und so manche Leserin, so mancher Leser, wird es begreifen, wird es ganz plötzlich spüren in sich und zu handeln verstehen in dem neuen Licht! Es wird so sein! Paare werden einander anders empfinden und berühren, als sie es bisher taten. Die feinfühligen Fingerkuppen und die Lippen der Münder werden in einer neuen Art liebkosen – wie einst im ersten Goldenen Zeitalter, auch noch im alten Babylon und bei den Stämmen der Griechen, Römer und Germanen. Die Haut über den Muskeln der Männer wird wie unter Rosenöl glänzen, die Haut der Frauen über Brüsten und Schenkeln wird den Schimmer hauchfeiner Seide haben, und aus den Haaren der Frauen wird das Licht des Morgenrots erstrahlen. Bei der Vereinigung wird daraus ein astrales Leuchten werden, das mit dem Göttlichen unmittelbar verbindet. Was zuvor bloß Sex genannt werden konnte, ist dann höchste Lust von magischer Kraft;  sie vereinigt zwei Menschen,  einen Mann und

 

 

 

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eine Frau, in ihrem ureigenen göttlichen Ursprung, führt sie während der Augenblicke des astralen Orgasmus heim in das Reich des ewigen Lichts, in die Weltenheit allen Anfangs, in der es kein Ende gibt.

 

Wir werden sprechen von ‚Doppelter Unsterblichkeit.‘ Das ist etwas ganz Besonderes. Es ist möglich als die höchste Krönung der wahren Liebe im anstrahlen Licht, wo Zeit und Raum sich der zeitlosen Ewigkeit und der raumlosen Unendlichkeit annähern, dem Unbegreiflichen und doch Er-faßbaren. Denn alles ist möglich in der magische Macht der sich vereini-genden reinen Geschlechter: Es gibt keine Grenzen, keine Schranken, keine Enge – weit offen stehen alle Sphären, kein Horizont behindert den schweifenden Blick, keine Mauer und kein Zaun das Wandern.

 

Über dergleichen wollen wir im folgenden spreche; genau und klar, wie das Wissen aus der göttlichen Morgenröte und dem goldenen Lichtstrahl es lehrt. Ihr sollt Euch daran erfreuen, sollt die Bilder vor Euch sehen und die Träume in Euch reifen lassen – denn alle Glückseligkeit beginnt im geträumten Gedanken, er ist ein heimliches Programm – und jeder starke Traum ist wahr, weil alle Gedankenbilder auf einer anderen Ebene Wirk-lichkeit sind. Von dort aus kommen sie in diese Welt, um greifbar zu wer-den. Vieles erfordert nun einen offenen Geist für das Ungewöhnliche und einen freien Sinn gegenüber der eigenen Geschlechtlichkeit. Es verlangt vor allem den Mut zum starken Gefühl, dem rückhaltlosen Bekenntnis zur Liebe der Herzen, die mächtiger ist als selbst die Furcht vor dem Sterben. Denn die magische Liebe kann zu einer Gratwanderung ausufern zwi-schen dieser und der jenseitigen Welt – aus irdischer Sicht also zwischen leben und sterben. Wer sich davor fürchtet, halte an der Linie inne, die gewiesen werden wird. Alles ballt sich fortan in jenem einen, in der Liebe zwischen Mann und Frau, dieser wunderbaren Kraft, die magisch ist im allerhöchsten Sinne: Die Magie der Liebe, die Magie der Sexualität – im Lichte der Morgenröte. Ihr sollt sie Euch anschauen im Träumen – und schließlich durchleben mit aller Kraft der Sinne und bis in jede Faser Eurer Körper. Ihr sollt Euch verschlingen lassen von dem unbeschreib-lichen Licht, aufgehen in jenem Kosmos, den Ihr aus zwei Körpern bildet – ein Mann und eine Frau!

 

 

 

 

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Magie bedeutet: Wirken durch Wollen. Und das werdet Ihr tun. Alles was Ihr wollt geschieht durch den magischen Liebesakt im astralen Licht. Denn hierin liegt der Schlüssel zum nächsten Geheimnis: Jene alles über-wältigende Kraft vermag auch alles zu zeugen, wonach der durch sie ge-lenkte Wille seinen Strahl sendet. Ein ganz anderer Blick auf die Dinge tut sich nun auf: Die Verwandlung der magischen Erotik in die Magie des Eros!

 

 

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„Das Irdische ist der geringste Teil unseres Lebens.

Die Liebe gehört dem Überirdischen, dem Göttlichen, an.“

( Julietta Montefeltro, Ordo Bucintoro )