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Ilum, die „Schwarze Sonne“

 

  Über den Mythos der „Schwarzen Sonne“ wird in der jüngsten Zeit mehr als früher gesprochen und geschrieben. Dabei scheint der sensationellste Aspekt in der Behauptung zu liegen, NS-Kreise hätte tiefgreifende geheime Erkenntnisse damit verbunden und namentlich der SS sei jene „Schwarze Sonne“ quasi heilig gewesen. Dabei vermengen sich vermutlich oft Realität und Phantasie. Auf alle Fälle kann dies nicht als der zentrale Aspekt dieser Mythe gelten. Es mag zutreffen, daß es okkultistisch (esoterisch) orien-tierte Kreise zu jener Zeit in Deutschland und Österreich gab, die sich mit dem Mythos der „Schwarzen Sonne“ mehr oder weniger intensiv auseinandergesetzt haben, das ist sogar sehr wahrschein-lich, es darf als gewiß gelten. Darunter mögen auch NS-Anhänger und insbesondere SS-Angehörige gewesen sein. In jener Zwischen-kriegszeit gab es eine vielschichtige „Esoterikwelle,“ wie es heutzu-tage genannt werden würde (damals sprach man von Okkultis-mus), die in den verschiedensten sozialen Gruppen Anhänger fand, wobei sicherlich eine Geisteshaltung vorherrschte, die rechts-gerichtet genannt werden könnte. Der Thule-Orden, der sehr facettenreich war, ist wohl das markanteste Beispiel.

 

Als äußerst unwahrscheinlich muß gelten, daß später der offizielle Nationalsozialismus sich die „Schwarze Sonne“ und den mit dieser verbundenen Mythos zueigen gemacht haben sollte. Dies würde, nach allen gesicherten Erkenntnissen über die NS-Ideologie, kaum in deren Denksysteme hineingepaßt haben – jedenfalls nicht in jene, die sich offenkundig und praktisch auswirkten. Es müßte also so etwas wie eine „Sekte“ innerhalb des Nationalsozialismus gewe-sen sein, wenn die Hinwendung zur „Schwarzen Sonne“ und de-ren Mythos tatsächlich stattgefunden haben sollte, es müßten sogar Quasi-Systemgegner in den eigenen Reihen bestanden haben. Das erscheint jedoch keineswegs unmöglich.

 

Faktum, daß in der seinerzeit SS-eigenen Wewelsburg ein Fußbo-denornament in Form der „Schwarzen Sonne“ vorhanden ist. Dies sagt für sich allein noch nicht allzu viel aus, ist aber immerhin be-merkenswert.

Aber die stilisierte Darstellung in der Wewelsburg ist nicht violett (wie sie, korrekt, sein müßte), auch nicht schwarz, sondern grün.

 

Dies spricht dafür, daß die seinerzeitigen Burgherren entweder nicht besonders gut über die Bedeutung der „Schwarzen Sonne“ im Bilde waren – oder aber bewußt einen Bezug zu jener Jenseits-sphäre herstellen wollten, welche die Sumerer, Babylonier und Assyrer das „grüne Land“ nannten: Die Generalschwingungsebene des Jenseits an-sich. Auch das ist nicht unmöglich, denn falls man sich seinerzeit mit dem Mythos der „Schwarzen Sonne“ näher befaßt haben sollte, würden eventuell auch die verborgene Hinter-gründe bekannt gewesen sein.

 

Wenn wir bedenken, daß der alte Kult um die magische (schwarze) Sonne auf das engste mit Vorstellungen einer realen Diesseits/Jen-seits-Verbindung verknüpft war, so kann dies zu einer ebenso einfachen wie schlüssigen und gleichsam verblüffenden Erklärung für die grüne Darstellung der Schwarzen Sonne im Gruppenführ-ersaal der Wewelsburg leiten: Bei Invertieren der Farbe Grün ergibt sich violett - also die wahrhafte Farbe der magischen Sonne. Dem-nach wäre die Darstellung in jenem Saal die diesseitige - grüne - Umkehrung der jenseitigen - violetten - Sonne gewesen.

 

Wollen wir für einen Augenblick davon ausgehen, daß dies tat-sächlich so gedacht war, dann würde das zu einer weitreichenden Erkenntnis führen; denn dann wäre jener Saal ein Raum gewesen, im dem sich das Jenseits offenbaren können sollte, ein Saal, der diesseitig und jenseitig zugleich gewesen wäre - gewissermaßen eine reale Verbindung zu den Welten der Götter, ein Raum im Diesseits, der buchstäblich jenseitig werden kann, in dem es keine Grenze zwischen Mensch und Gott, Leben und Sterben gibt ... Es wäre der Griff nach dem Unfaßbaren.

 

Dies entspräche den stets geheim gehandhabte Vorstellung im Babylon der Zeit König Sargon I.! Es erscheint schwerlich denkbar, daß während des Dritten Reiches auf der Wewelsburg eine solche Spiritualität geherrscht haben sollte - zumal das Wirken mit der magischen "schwarzen" Sonne starke sexualmagische Komponen-ten aufwies und ohne geeignete Priesterinnen  nicht möglich gewe-sen wäre. Hätte es solche Priesterinnen damals auf der Wewels-burg gegeben? Von Besuchen junger Damen aus dem Kreis der Panbabylonischen und "Vril"-Gesellschaft gibt es Berichte oder zu-mindest Gerüchte.

Die Ideen, die sich an all dies anschließen, führen sehr weit in die für den menschlichen Geist nur mehr sehr schwer begreifbaren Vorstellungen vom magischen Kampf um das neue Goldene Zeit-alter, das schon die alten Babylonier berechneten und herbei-sehnten, wenn "Ilum," die magische Sonne, erstrahlt.

 

Über all dies scheint es jedoch kaum sichere Informationen zu geben, es ist an dieser Stelle auch nicht wichtig, dem im einzelnen nachzugehen. Der Mythos um die „Schwarze Sonne“ läßt sich ohnehin keinem politischen System zuordnen, auch keiner Epoche oder Nationalität, höchstens einer Weltanschauung.

 

In der Schlußphase des Zweiten Weltkriegs fand ein der "Schwar-zen Sonne" zumindest sehr ähnliches Symbol als Zeichen des von Admiral Canaris gegründeten Geheimbunds "Die Kette" Verwen-dung. Diese Ähnlichkeit ist sogar so groß, daß davon ausgegangen werden kann, es handelte sich um das Sinnbild der "Schwarzen Sonne." Bedenken wir, daß Himmler es war, der Canaris nach des-sen Verhaftung immer wieder in Schutz nahm und dafür sorgte, daß er von Februar 1944 bis Anfang April 1945 aus der Haft heraus an seinen Plänen weiterarbeiten konnte, so könnte dies nachdenk-lich stimmen. Canaris gilt heute im allgemeinen als ein Mann des Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Und doch scheint er es gewesen zu sein, der eine geheimnisvolle, über den Krieg hinaus wirkende Organisation im Zeichen der "Schwarzen Sonne" schuf oder zumindest ins Werk setzte. Dies ist könnte eine weiterführen-de Spur der "Schwarzen Sonne" aus jener Zeit sein.

 

Was bedeutet nun diese „Schwarze Sonne,“ für welchen Mythos steht sie wirklich und woher kommt sie?

Wir können sagen: Sie ist ein Sinnbild der reinen Strahlungskraft des göttlichen Lichts. Dieses Licht steht im Gegensatz zur widergöttlichen Finsternis. Es ist das Natürliche im Gegensatz zum Widernatürlichen. Über die Erde ergießt es sich in den lichten Zeitaltern. Die Grundlage dieses Lichts ist die kosmische Sexualität, die Verbindung der Ilu-Kräfte Weiblich und Männlich.

Der nachverfolgbare Ursprung der „Schwarzen Sonne“ liegt in Babylonien, und zwar im alt-babyonischen Reich, welches König Sargon I. (Sar-Kyan von Agade) gründete. Hinsichtlich der Zeit ist sich die Wissenschaft noch sehr uneinig, Sargon I. wird zwischen 2400 bis 3900 v.Chr. angesetzt. Wenn wir uns an die babylonische Zeitrechnung halten, die mit der Thronbesteigung Sargons I. beginnt, so haben wir jetzt, 2000, das Jahr 5900. Es erscheint vernünftig, sich daran zu halten.

 

Sargon I. schuf ein gewaltiges Reich. Er ließ Straßen von Mesopota-mien aus durch die Wüsten bis Nordafrika anlegen und bis nach Armenien. 71 Städte gründete dieser König in seiner Amtszeit, darunter die späteren Phöniker-Zentren Tyros und Sidon. Sargon stieß auch bis nach Indien vor und ließ in Vorderindien mehrere Häfen errichten. Mit hoher Wahrscheinlichkeit gab es nicht nur im Osten bis Armenien, sondern auch im Südwesten Europas damals babylonische Niederlassungen, der Legende nach reichte die babylonische Aktivität der Sargon-Ära bis in die Regionen Germaniens; kelischriftliche Berichte, die von Helgoland und der Wesermündung sprechen könnten, sind sehr verblüffend. Danach reiste König Sargon I. drei Jahre lang durch „die Urheimat der Ahnen im Norden der Welt“.

Nachfolger dieses großen Königs war dessen Enkel Naram Sin. Bei ihm wird die „Schwarze Sonne“ erstmals definitiv greifbar. Zwar ist anzunehmen, daß zuvor auch schon Sargon I. diesen Mythos kannte (gewisse kosmologische Fragmente deuten darauf hin), dies ist jedoch nicht restlos sicher. Völlig ungewiß ist, ob die „Schwarze Sonne“ und deren Mythos sich bereits auf die Sumerer zurück-führen läßt, von denen die Wissenschaft de facto ohnehin kaum mehr als ihre Sprache kennt. Die Annahme ist jedoch statthaft.

 

So kann zunächst einmal gesagt werden: Die „Schwarze Sonne“ entstammt dem alten Kulturraum Babyloniens und Assyriens. Vermutlich trifft es auch zu, daß Kaiser Friedrich II. aus dem Orient einen assyrischen Talisman mit der „Schwarzen Sonne“ darauf erhielt, womit dieses Symbol in das abendländische Europa gelangt sein dürfte. Sicher ist die „Schwarze Sonne“ weder indischer noch persischer, sondern eindeutig babylonischer (oder sumerischer) Urherkunft. Im Germanischen Kulturraum gibt es eventuelle Entsprechungen. Das wäre auch keineswegs unlogisch. Schon Peter Jensen mutmaßte über die bereits erwähnten frühge-schichtlichen Kontakte zwischen dem nordisch/germanischen und dem babylonisch/assyrischen Kulturraum. Eine solche Annahme läßt sich sehr wohl untermauern. Die alten Babylonier glaubten ja eben, ihre Vorfahren seien einst von einer weit im Norden liegenden Insel gekommen. Das Inuma Ilisch besagt: „Ummu hubpur patikat kalama.“ – Die Mutter des Nordens, die alles hervorbrachte... Auch im Gilgamesch-Epos ist die Suche nach der „Insel der Seligen“ auf dieses Motiv gegründet, und daß auch die Polarnacht des Babyloniern bekannt war, wird durch die Bezeichnung „Mitternacht“ für Norden in der akkadischen (babylonisch/assyrischen) Sprache bezeugt, was später auch ins Phönikische und Hebräische und dadurch in die Bibel eindrang.Sargon I. war, wie gesagt, drei Jahre lang auf Reisen, um die Heimat der Ahnen zu suchen. Die Prosa-Edda berichtet, der König der größten Stadt der Welt habe das Land besucht, die Reiche der Schweden und der Sachsen gegründet und seine Sprache mitgebracht. Snorri meinte, in der größten Stadt der Welt Troja erkennen zu können, die größte Stadt der Welt war aber eindeutig Babylon. Faktum ist auch, daß die alt-germanischen Sprachen eine ganze Reihe typisch akkadischer Elemente enthalten (im Gegensatz zu allen anderen indogerma-nischen Sprachen), etwa die HL-Wortanfänge etc.. Später war es der Assyrer-König Salamanaser III., der mit Hilfe der Phöniker eine Expedition zur Auffidung der Heimat der Ahnen ins Werk setzte. Es erscheint geradezu schlüssig, daß die Asen der Edda diese Assyrer (Asur) waren,

welche sich mit den Wahnen (den Gewohnten) zunächst Kämpfe lieferten, sich dann aber mit ihnen vereinigten. Die Germanen wären damit also ein europäisch/mesopotamisches Volk.

 

Auf solchem Wege könnte die „Schwarze Sonne“ also nach Germanien gelangt sein – oder womöglich sogar umgekehrt, will man den babylonischen Legenden von der Urheimat im Lande der Mitternacht folgen. All dies bleibt jedoch von wissenschaftlicher Festigkeit noch weit entfernt, ohne deshalb unmöglich zu sein. Der greifbare Ursprung der „Schwarzen Sonne“ ist somit jedoch verhältnismäßig klar erkennbar. Da schon Sargon I. bis nach Indien vordrang und es zur Naram-Sin-Zeit babylonische Häfen in Vorderindien gab, ist auch der Weg nach Asien leicht erklärbar. Persischer Herkunft ist die „Schwarze Sonne“ sicher nicht, obschon mitunter versucht wurde, sie mit dem Mithras-Kult in Verbindung zu bringen. Noch weniger stammt die „Schwarze Sonne“ aus Ägypten. Es ist immer wieder versucht worden, babylonische Kulturleistungen zu „verschieben“. Ein absurder Antisemitismus der Vergangenheit, der namentlich in den Assyrern Semiten sah, wollte sich lieber aus dem arischen Indien, aus Persien oder Ägypten belehrt sehen. So brachte es z.B. Hans Künkel fertig, die Idee der Zeitalter in einem Buch zu behandeln, ohne Babylonien – das eindeutige Ursprungsland dieser Vorstellungen – auch nur zu erwähnen, statt dessen schob er alles den Persern zu, die davon in Wahrheit wenig ahnten (dafür bot er dann Definitionen, die weder mit der babylonischen noch mit der indischen Auffassung in Einklang zu bringen wären).

 

Die Idee des kosmischen Jahrs und der Zeitalter steht anscheinend nicht in unmittelbarer Verbindung zur „Schwarzen Sonne“ – bei näherem Hinsehen ist dies jedoch sehr wohl der Fall.

 

Im Pariser Louvre befindet sich eine babylonische Stele, die den König Naram Sin (mit typisch „germanischem“ Hörnerhelm!) mit Priesterinnen und Garden am Fuße des Mitternachtsbergs zweigt, über dem zwei Sonnen stehen: Die diesseitige Sonne (Elum) und die jenseitige Sonne (Ilum) – die „Schwarze Sonne“. Diese beiden Sonnen stehen über dem Berg der Versammlung der Götter, auf den sich, wie auch das Alte Testament der Bibel noch weiß, die Könige von Babylon so gerne setzen wollten, um die Welt im Namen der Götter zu verwalten. Die beiden Sonnen, die diesseitige und die jenseitige, die magische Sonne, versinnbildlichen die vitalen Kräfte von Diesseits und Jenseits.

Was bedeutet nun die sogenannte „Schwarze Sonne“.

 

Zunächst: Die Titulierung „schwarze“ Sonne ist nicht original, sie entstammt jüngerer Zeit. Richtig übersetzt müßte von der „Sonne im Dunkel des Unsichtbaren“ gesprochen werden – von der „magischen Sonne“. Sie ist keineswegs schwarz, sie ist tief violett, indigofarben. Denn durch sie strahlt das göttliche Licht „Ilu“. Dieses göttliche Licht „Ilu“ hat zwei Ausformungen: Das männliche Ilu und das weibliche Ilu. Diese beiden absoluten Gottkräfte bilden die namenlose Allmacht. Durch die Liebensgöttin Ischtar (Venus) werden sie zum Schöpfertum zusammengeführt. Im Reich dieser Göttin, in der „Welt der ewigen Morgenröte“, erstrahlt das göttliche Licht rötlich. Die „Schwarze Sonne“ ist gewissermaßen die Schleuse, welche dieses göttliche Licht der Allschöpferkraft auch vom Jenseits ins Diesseits durchläßt. Sie strahlt also nicht selbst, sondern ist wie ein Ventil für jenes göttliche Licht zu verstehe, das aus den beiden allschaffenden göttlichen Quellen „Iluhe“ (oder Iluim) kommt: Aus den Mächten Männlich und Weiblich, eben dem männlichen Ilu und dem weiblichen Ilu.

 

Die Liebesgöttin Ischtar (Venus, Freyja, Inanna, Aphrodite, Aramati, Aschera, Inin etc.) ist dazu jene Kraft, die beides zum schöpferischen Akt verbindet. Dies nun geht bis auf die Sumerer zurück. Sie kannten schon jene beiden namenlosen über allem stehenden göttlichen Kräfte, die Iluhe. In den alten indischen Schriften ist dies nicht mehr eindeutig enthalten, Brahman läßt sich damit nicht eindeutig gleichsetzen. Im Tantra finden sich am ehesten Spuren dieses Ur-Wissens (davon ahnt übrigens auch die Bibel noch Reste, wenn in der Genesis der dort längst mißverstan-dene Begriff Elohim auftaucht). Sehr von ferne kann auch die altindische Mythe von Pralada (oder Pralaya) als eine Entspre-chung zum Mythos der „Schwarzen Sonne“ angesehen werden, jedoch mit mannigfaltigen Einschränkungen. Eine andere Verwandtschaft findet sich in einem geheimen Shinto-Text aus dem Japan des 17. Jahrhunderts.

Mit der „Schwarzen Sonne“ hat es aber noch eine weitere Bewandtnis, nämlich jene, die sie in unserer Zeit besonders interessant erscheinen läßt: Sie übt Einflüsse auf die Wechsel der Zeitalter (akkadisch „Adu“) aus – oder richtiger: Die Menschen können auf die „Ventilfunktion“ der „Schwarzen Sonne“ Einfluß nehmen und damit gleichsam eine Beschleunigung oder Ver-zögerung der Zeitalterwechsel herbeiführen (aktuell also Wandel vom Fischezeitalter zum Wassermannzeitalter, das korrekt Wasserkrugzeitalter heißt). Magisch tätige Geheimbünde waren mitunter bestrebt, in verschiedenartiger Weise auf diese Mög-lichkeit einzuwirken. Das trifft insbesondere auf die süddeutschen und italienischen Templer des Mittelalters zu sowie auf den venezianischen Geheimbund Ordo Bucintoro, der vom 16. bis ins 18. Jahrhundert bestand.

 

Dies erklärt auch die im Prinzip immer ähnliche visuelle Darstellungsweise der „Schwarzen Sonne.“ Die zwölf Speichen bezeichnen die zwölf kosmischen Monate, die Zeitalter. Der äußere Ring meint das kosmische Jahr. In der Mitte aber ist das „Ventil“ zu sehen. Diese Darstellungsform erscheint sehr logisch. Die alten Babylonier verstanden sich schon in erstaunlicher Weise auf Technik, sie kannten Ventile für Bewässerungsanlagen (übrigens hatte beispielsweise auch Pythagoras „seinen“ berühmten Satz aus Babylon). Wir haben es hier also, wörtlich verstanden, mit einem Sinnbild zu tun. Mitunter wurden die äußeren Strahlen mit Wellen oder Knicken versehen, was die zyklische Drehbewegung der Zeitalter symbolisieren sollte. Künstlerische Darstellungen in Babylonien und Assyrien zeigen die magische „Schwarze Sonne“ auch häufig mit besonderen Wellenstrahlen.

 

In babylonischen und assyrischen Tempeln hatte die formale Dar-stellung der Ilum, der „Schwarzen Sonne,“ auch eine magisch-rituelle Bedeutung, insbesondere in altbabylonischer und altassy-rischer Zeit. Sie war gleichsam ein Symbol und Umsetzungsmittel der kosmischen Sexualität. Die „Schwarze Sonne,“ diese Durchlaßschleuse des göttlichen Lichts Männlich+Weiblich vom Jenseits ins Diesseits, konnte durch sexualmagische Akte besonders aktiviert werden.

Die menschliche Sexualität ist dabei als Umsetzung des kosmi-schen Sexus zu begreifen. Die Liebesgöttin Ischtar/Venus hat daher auch hier die allerhöchste Bedeutung. Der Kult um die „Schwarze Sonne“ ist untrennbar mit hochentwickelten sexualma-gischen Aspekten verbunden.

 

Die „Schwarze Sonne“ bildet speziell in der Sexualgamie die Schleuse für das göttliche Licht. Im rituellen Liebesakt zwischen Mann und Frau öffnet sich ihr „Ventil“ auch zum einzelnen Menschen hin. Darüber hinaus wirkt aber auch eine rein geistige Sexualität, der spirituelle Eros, auf die Kräfte aus der „Schwarzen Sonne.“

 

Die Kräfte der kosmischen Sexualität, welche durch die „Schleuse“ der „Schwarzen Sonne“ dringen, lassen sich in verschiedener Weise wecken und benutzen und im Sinne der ewigen göttlichen Ordnung steuern. Damit gewinnt all dies seine mystisch-dynamische Dimension. Ganz besonders die Priesterinnen Meso-otamiens – aber auch Roms und womöglich Germaniens - verstanden es wohl, solche Kräfte in gezielter Weise zur Wirkung zu bringen (Magie ist Wirken durch Wollen!). Dabei spielen die langen Haare der Frauen und Mädchen eine entscheidende Rolle, diese üben gewissermaßen die Funktion von "Antennen" aus.

 

Unterschiedliche Ausdeutungen gibt es im übrigen hinsichtlich dessen, ob die „Schwarze Sonne“ auch mit der gemutmaßt "Großen Zentralsonne" unseres Milchstraßensystems gleichzusetzen sei. Manches spricht dafür, sogar schon babylonische Keilschrifttexte können dahingehend gedeutet werden. Diese Frage darf jedoch zweitrangig genannt werden, denn die göttliche Lichtquelle braucht gewiß keinen fixen Standort nach diesseitigen Maßstäben.

 

In nachbabylonischen Zeiten waren es vor allem römische Venus- Kulte, die das alte Wissen aufgriffen und bewahrten. Im Geheimen führte es sich im Mittelalter fort, wo die Templer-Sektion Augsburg-Wien-Genua die Grundidee auf das Motiv der „Figura Baphomet“ übertrug. Dieser Mythos ist viel mißverstanden, oft gar nicht begriffen worden. Er beinhaltet die „Schwarze Sonne“ nicht in wörtlich ausgesprochener Weise, sondern überträgt die Idee des Anziehens der lichten Kräfte dieser magischen Sonne auf eigen-ständige Art. Ähnliches gilt später in der Renaissance für den veneziantische Geheimbund Ordo Bucintoro. In beiden Fällen hatte die mythisch-magische Komponente eine politische Dimension, Ziel war die Wiedererrichtung des heidnischen Cäsarentums und die Schaffung eines italienisch-deutschen Kaiserreichs in einem Neuen Zeitalter.

 

Erst viel später tauchen Gedanken an die „Schwarze Sonne“ wieder auf, nämlich in der Schlußphase des ersten Weltkriegs und danach im Rahmen des Thule-Gesellschaft. Die Frage, inwieweit dort die „Schwarze Sonne“ eine Bedeutung hatte, kann nicht schlüssig beantwortet werden. Es heißt, aus der Thule-Gesellschaft sei die NS-Bewegung hervorgegangen sowie auch die esoterisch orientierte SS. An diesem Punkte schließt sich der Kreis zu der Darstellung in der Wewelsburg mit deren Ungereimtheiten.

 

Diese magische Sonne leitet ihre kraftvollen Strahlen nach dem

der Affinität von Schwingungen zum Individuum, angezogen durch die erotische Vereinigung von Frau und Mann, die sowohl körperlich wie auch auf einer rein geistigen Ebene stattfinden kann. Ein anderes Prinzip kennt diese Strahlungskraft nicht, Kollektive jedweder Art haben zu ihr keinen Zugang, es sind stets einzelne, resp. Paare, die als Mittler der Kräfte fungieren. Das läßt sich mit der antiindividualistischen Ideologie des Nationalsozialismus schwerlich in Einklang bringen.

 

Erst eine neue Zeit könnte wohl die hinter dem alten Mythos stehenden Gedanken und Möglichkeiten wieder lebendig werden lassen. Auf dem Grat vom 20. ins 21. Jahrhundert muß sich – den alten Mythen nach – das „Ventil“ der „Schwarzen Sonne“ wieder weit öffnen, auf daß sich die Strahlungskräfte des göttlichen Lichts über der Erde ausbreiten und ein neuen Goldenes Zeitalter bewirken ...

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28. Juli 2010 20:10:44 +0200