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FREIMAURER UND TEMPLER ?

 

Die Behauptung, zwischen den Freimaurlogen und dem alten Tempelritter-orden bestehe eine Verbindung, ja wesentliche Komponenten der Freimaure-rei gingen sogar auf die Templer zurück, stammt aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und ist - schlicht und einfach - Unfug.

 

Der alte Templerorden, der im 13. Jahrhunderts erlosch, ist in der zweiten Hälfte seines Bestehens nur administrativ eine Einheit gewesen. In geistlicher Hinsicht bestanden unterschiedliche Vorstellungen nebeneinander, römisch-katholisch, arianisch, marcionitisch und heidnisch - oft durcheinander oder miteinander verwoben. Gemeinsam war allen jedoch die Ablehnung des Alten Testaments und des Jahwe, in dem sie den Fürsten der Finsternis und Wider-sacher des Göttlichen sahen. Das umgekehrte Pentagramm war daher ein überall verwendetes Templer-Geheimsymbol, es bezeichnete die Ablehnung des Pentateuch, der fünf Bücher Mose.

 

Die stärkste Strömung ist sicherlich die marcionitische gewesen; besonders in Frankreich und Westdeutschland. Im übrigen Deutschland, Österreich und Italien waren die heidnischen Tendenzen am ausgeprägtesten. Dort entstand um 1220 auf der Achse Augsburg-Wien-Genua die "Geheimwissenschaftliche Sektion," deren Ideen und Vorstellungen dem Orden seinen geheimnisvollen Ruf eintrugen. In England herrschte die arianische Auffassung vor.

 

Auf der britischen Insel hat das Templertum keine starke geistliche Kompo-nente entwickelt. Namentlich bei den französischen Templern soll es die ste-hende Redensart gegeben haben, der Templergeist sei nie über das Wasser bis nach England gelangt. Dabei mögen eventuelle aber auch Animositäten mitgewirkt haben; es läßt sich nicht mehr sicher feststellen.

 

In London befand sich das Kommerzkomturat, von dort aus wurden die wich-tigsten Handelsgeschäfte des Ordens betrieben.

Die Aufteilung der Funktionen sah folgendermaßen aus: Zentrale Administra-tion und militärisches Oberkommando in Paris, der spirituelle Hauptsitz in Wien (zu allererst in Augsburg), das kommerzielle Zentrum in London.

 

Dies bedeutete jedoch keine Aufteilung nach Nationen, denn Nationen im neuzeitlichem Verständnis gab es zu jener Zeit nicht. Es war eine Gliederung nach praktischen Erwägungen, günstiger Örtlichkeit und spezieller Neigung der Ordensmitglieder jeweils vor Ort - eben im Sinne des Ganzen gedacht. Jeder brachte ein, was er am besten leisten konnte. Aber sicherlich spielten dabei unterschiedliche Mentalitäten eine Rolle.

Während der Zeit der Templerverfolgung gab es besonders in Frankreich Mißtrauen gegen die britischen Templer, denen vielfach Verrat unterstellt wurde. Daß solche Vermutungen zurecht bestanden hätten, ist jedoch nicht erwiesen. Offenkundig bleibt lediglich, daß die britischen Templer sich sehr schnell mit den neuen Gegebenheiten arrangierten, schneller als dies anders-wo der Fall war. Dies muß aber nicht für Verrat sprechen, es mag in der zum Pragmatismus neigenden Mentalität der Angelsachsen begründet gewesen sein. An dieser Stelle muß erwähnt werden, daß dies nicht die Schotten be-traf. Die verhältnismäßig kleine schottische Templerformation, wie auch die noch kleinere walisische (und die gesamte irische) standen spirituell der deutschen Sektion nahe. Bei Ausweitung der Templerverfolgung zogen sich die ordenstreuen Schotten nach Irland zurück (später kamen irische, schotti-sche und walisische Templer nach Deutschland, wo sie heimisch wurden, be-sonders in Bayern und Österreich).

 

Die wenigen nun verlassenen Templerbesitzungen in Schottland wurden von (inzwischen ehemaligen) englischen Templern und deren neuen Geschäfts-partnern unterschiedlicher Coleur übernommen. Eine spirituelle Grundlage hatte diese verhältnismäßig lose Gruppierung nicht mehr. Erst viel später dürfte dort etwas gegründet worden sein, was aus heutiger Sicht ‘Freimau-rerloge’ genannt werden könnte. Ob dort wirklich der „Schottische Ritus” entstand, ist höchst ungewiß; wahrscheinlich wurde all dies erst im 19. Jahr-hundert erfunden. Auf alle Fälle wäre die Bezeichnung nicht korrekt, da es sich dort nicht um Schotten handelte, sondern um Engländer in Schottland. Man muß sich vergegenwärtigen, daß die Engländer in Schottland unbeliebt waren (das bricht gerade in dieser Zeit wieder auf) und daher nach einem Zusammenhalt suchten.

 

Was nun die Berichte - oder eher ‘Stories’ - über die Freimaurerei anbelangt, so sie sind diese zumeist erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf-gekommen. Bei näherer Betrachtung zeigt sich, daß sich die Spuren kaum weiter zurückverfolgen lassen - ganz sicher nicht bis zu den historischen Templern!

 

In der Zeit etwa zwischen 1880 und 1910 gab es eine erste „Esoterikwelle,” in der auch die Templer - weil geheimnisvoll erscheinend - „populär” wurden. So sind dann ‘Stories’ aufgekommen, die den Leuten gefielen und für das Esoterik-Geschäft nützlich waren.

 

Die historische Wahrheit auf diesem Feld exakt zu ergründen, wird wohl stets unmöglich bleiben. Eine reale Verbindung des Templertums mit der Freimau-rerei besteht aber definitiv nicht, soviel läßt sich mit Sicherheit sagen.

 

Mental - Ray möchte informieren. Kein Kommerz, keine Werbung !
28. Juli 2010 20:10:44 +0200