Kapitel 12
Home Nach oben

Home
Nach oben

12

 

(1)     Das Sterben der ersten Menschenscharen auf Erden war infolge der  Einfachheit und sehr geringen Dichte ihres irdischen  Leibes  schmerzlos, einem Einschlafen, gleich; die lebendige, Seele mit ihrem Geiste  verließ den irdischen, abgebrauchten Leib ohne viel Bedrängnis und ohne Kampf.

(2)     Auch habe ich erkannt, daß der irdische Schlaf eine Folge  der engen Verbindung und des engsten Ineinandergreifens und Wirkens  des seelischen und des irdischen Leibes ist, die Seele darin  nicht  un­unterbrochen tätig sein kann, deshalb regelmäßig wiederkehrend  eine Lockerung in diesem erstrebt und auch erzielt,  dadurch  dem  Geiste die Nützung der irdisch leiblichen Sinne sperrt und durch alles  das auch selbst bestimmte Grade des  Bewußtseins  für  die  Dauer dieses Zustandes einbüßt; daß aber allerlei, mitunter  auch  der  geringste Einfluß auf die Gefühle des irdischen Leibes und seine  Sinnesorgane einerseits, wie auch ein Einfluß auf die Gefühle des seelischen Leibes und seine Sinnesorgane anderseits genügt, um das  engste  Ineinandergreifen beider augenblicklich wieder herzustellen und dem Geiste die Sinnesorgane beider nütze zu machen.

(3)     Als die ersten Menschen auf Erden starben, das heißt als  sich ihre Dreieinheit Seele – Geist - Leben von dem da  getragenen  irdischen Leibe getrennt hatte, siehe, da sah ich manche an der Hand der Engel in die wahre Welt des Reiches  Gottes geführt, andere  dagegen in Welten, die  weder  dem  himmlischen Reiche noch den  Welten  des Alls dieser Welt mit ihrer Erde zugehörig- sind, und alsbald habe ich erkannt, daß es Welten des Jenseits sind.

(4)     Und mir ward die Einsicht in alle diese Welten  gegeben, der er es eine große, große Zahl gibt, und da ich hinsah,  stand  ich  auch schon in einer von ihnen, die ein ähnliches, ja fast gleiches  Licht hat wie eine der Welten des Reiches  Gottes, und von der aus das Himmelreich, anderseits aber, auch einige  ihr  ähnliche  Welten  des Jenseits zu sehen sind, die aber wie von Stufe zu Stufe eines ändern Lichtes und auch ändern Wesens sind, und  ich  fand  sie  von vielen jenen bewohnt, die auf Erden gelebt und dort gestorben sind.

(5)     Ich sah sie Schönes und Reines schaffen, hörte manche von ihnen •über das Geschehen in der Ewigkeit seit  dem  Anfange  predigen  und dann alle Gott loben, preisen und Ihm Dank für alles das sprechen, was Er von Ewigkeit für alles das tut, dem Er  von  Seiner   eigenen ewigen Lebenskraft das Leben gegeben hat und das Sein Leben in  sich trägt.

(6)     Und da ich weiter sah und auch schon dort stand, sah ich  Welten des Jenseits, die wie von Stufe zu Stufe immer weniger und immer schwächeres und immer weniger reines Licht haben und auch immer Weniger reines Wesens sind - und im Schauen immer weiterkommend, sah ich die Welten des Jenseits immer lichtloser, unreineren Wesens, wie von Stufe zu Stufe schattenvoller, düsterer, und erschrak heftig, als ich sah, wie steigernd  düster  die  noch  weiteren Welten sind, und deren letzten fast nichts mehr eigen ist,  was  ein  Licht genannt werden könnte.

(7)     Ich aber fand mich im Schrecken plötzlich  dort ' und  entsetzt wandte ich mich zur Flucht; da aber sah ich  .in unermesslichen Fernen über allen den Welten des Jenseits, aber auch über der ganzen Schöpfung des die Erde einschließenden Alls die wahre .Welt Seines Reiches und Ihn, mitten am Firmamente des  Himmels, in  unbeschreiblich  und unaussprechlich wunderbarem Lichte  Seiner  Kraft mit erhobenen  Armen stehen, Sein heiligstes Angesicht mir zugewendet.

(8)     Da  wich  aller  Schreck  und  das  Entsetzen  einer Seligkeit Seines heiligen Friedens, ich fiel auf den unreinen  Boden  der  wie finster bedrohend aussehenden Welt und horte  Seine  Stimme  in mir :

Ich bin bei dir, Jovian !  Und  du  sollst alles schauen, damit du schreiben kannst !

Und ich blieb eine Weile im Beten.

(9)     Aufstehend wandte ich mich  um  und  da sah ich in den  Fernen das Reich des Pfuhles höllischer  Finsternis,  dessen  Schöpfer  und die Seinen im Schaffen; ein Schaffen,  wie  solches  nur   derjenige und diejenigen aushecken können, deren Geist, Wille,  alles  Sinnen und Trachten wider  Gott  Die ewige Wahrheit und wider alles  gerichtet ist, was Er tut und schafft.

(10)  Und siehe, da sah ich, daß  der  Pfuhl  höllischer  Finsternis auch sein Licht hat, ein Licht von unzähligen,  wie  blutroten   und schwefelgelben  Feuerflammen,  die  von  Scharen  der  Teufel  durch allerlei Dinge gezeugt und erhalten werden, damit es  Licht  in  der Finsternis sei; - sie selbst aber gehen  auch  durch  die   feurigen Zungen, fahren darin hin und her, auf und nieder,  und  so  sie  des Schöpfers  alles  dessen  ansichtig  werden, werfen sie sich  nieder und mit erhobenen Händen schreien sie :

Ja - Ave ! Ja - Ave ! Ja nos Amen !

(11)  Und ich sah einen ungeheueren Thron, vorne, hinten, seitwärts    und an seinen  Ecken  umgeben  vom  Lichte  allerlei  wie Schlangen sich windenden Feuerzungen, fahlgelb und  blutrot,  und  es  waren   vor, hinter, seitwärts aber auch oberhalb des  Thrones  Flächen wie Spiegel, die das fahlgelbe und blutrote Licht tausendfach verstärkt  auf den Thron warfen; da erhob  sich  von  vielen  Seiten  dasselbe  Ge­schrei, und ich sah den alten  Drachen,  den  Satan,  der  mit einer Schar seiner Großen kam,  den  Thron  bestieg,  sich  darauf  setzte und die Seinen um ihn herum  an  die  Ecken, Säulen und  Stufen  des Thrones.

(12)  Angetan mit glänzendem Gewande, hatte er um  die  Brust  einen wie goldenen Gürtel, seine Füße wie im Silbererze und  in   alledem brach sich zuckend das  flammende  Licht  der  feurigen  Zungen, daß es schien, als gingen von ihm Blitze aus;  sein  Haupt,  Mund,  Kinn und die Wangen hatte  er  mit  weißem  Haar, ähnlich  weißer  Wolle, gedeckt, und aus seinem Munde hing die Zunge, wie  ein  zweischnei­diges Messer, an jeder seiner Seite aber  hing  ein  zweischneidiges Schwert.

(13)  Da ging es  aus  seinem  Munde, als wären  es  sieben  kleine, aus sich selbst weiß  leuchtende  kleine  Sterne, und er  griff  hin und warf sie unter den Sitz  des  Thrones;  die  größten der  Seinen sprangen  aber  auf;  ergriffen hinter dem  Throne  stehende  sieben wie goldene Leuchter, stellten sie vor  ihm  hin, legten  oben   wie Feuerzungen auf, und siehe, da sah  ich  auf  den  Leuchtern  sieben Worte der Lästerung geschrieben wider  Gott.

(14)  Und da ,er und alle um ihn her in dem fahlgelben und blutroten Scheine der Feuerflammen selbst wie brennend aussahen, tat er seinen Mund auf, und mit einer .dem Krächzen der Aasvögel im Sturme ähnlichen Stimme sprach er :

Kein anderer, sondern ich bin der Anfang und das Ende, ich bin der Erste und der Letzte, ich bin das Leben und der Tod, denn ich habe die Schlüssel des Todes in meiner Hand, ich lasse leben, wen ich leben lassen will,  und ich kann töten, wen ich töten will; die aber mich als ihren Gott anbeten, lasse ich leben, und niemand wird sie töten können.

(15)  Und da er noch also sprach, erhoben sich seine Großen, schlugen mit großen Schlögeln auf riesige, wie aus glänzendem Erz gegossene Scheiben, und andere Ihresgleichen ließen Röhren wie Posaunen ertönen, derer schauriger Schall weithin drang.

(16)  Und siehe, es kamen von zwei Seiten Scharen der Seinen, angetan mit Panzern und Helmen, zwei riesige Heere gerüstet mit Wehrgehängen, die ich nie zuvor gesehen habe, und als die, um den Thron Sitzenden, ihre Hände hebend,. zu schreien begannen :

Bata ! Bata ! Ja - Ave. velchot setu Bata ! Bata!

Kampf ! Kampf ! Der Heilige will sehen Kampf ! Kampf !

stürzten die Scharen auf- und übereinander los, werfend, hauend, stechend, schlagend und Bata, Bata schreiend; ich aber wandte mich entsetzt ab und wollte in stillem Gebete aufgehen !

(17)  Gleich  aber weckten mich entsetzliche Schmerzensschreie und ein Gebrülle mit wildem Gelächter gemengt, und als ich mich umwendend hinsah, sah ich unzählige der Kämpfer mit grässlichen Wunden am Boden in Qualen sich winden, ja manche auch vor Schmerz weiter sich selbst zerfleischen, .worüber ihre Überwinder in immer neues Gelächter ausbrachen.

(18)  Und da es der besiegten Wundbedeckten viele Hunderttausende gab in Haufen, fiel mir ein, daß viele im Blute der andern ertrinken müßten, aber siehe, ich sah kein Blut, auch nicht bei den am ärgsten - Zerfleischten, und es waren auch die offenen Wunden nicht rot, sondern schvärz1ich im Lichte der fahlgelben, und roten Feuerzungen schrecklich anzusehen.

(19)  Der aber auf dem Throne saß, hob seine Hand und, rief :

Ich habe den Schlüssel des Todes in meiner Hand; ich kann schlagen und kann heilen, ich kann töten und lebendig machen, und niemand - ist., der jemand aus meiner Hand errette; ihr seid geschlagen, sollt aber geheilt werden und leben, denn   ihr   alle seid mein !

(20)  Und es hob allseits ein Gebrüll an wie des Sturmes Grollen   und Donnern :

Ja - Ave ! Ja - Ave - Ja - nos Amen !

(21)  Darüber sah ich, daß inzwischen Teile der Welt höllischen Pfuhles finster geworden sind, und schon merkte es auch der auf dem Throne sitzende Drache, der alsogleich aufsprang und voll grimmigen    Zornes jenen zu fluchen begann, denen die Wartung und Erhaltung    des flammenden Lichtes oblag, und alle um ihn her zitterten vor seinem Grimme.

(22)  Sein Zorn legte sich erst, als die finsteren Teile seiner Schöpfung in dem flammenden Lichte neuerlich erhellt wurden,    und er sprach :

Ich bin der Schöpfer des Lichtes, ich schaffe Licht, ich schaffe Finsternis und verfluche alle, die mein Licht nicht warten und versorgen, um sich in. der Finsternis meinen Blicken zu verbergen; hütet euch, daß euch mein Zorn nicht verzehre, denn ich bin der große und schreckliche Gott !

Darnach setzte er sich und sprach zu jenen, die um ihn her auf  den Stufen und Ecken des Thrones saßen:

(23)  Ihr lasset euch ringsum meines Thrones vierundzwanzig kleinere Throne bauen, ebensoviel weiße Gewander und goldene Kronen machen, zu jedem Throne sieben flammende Leuchter, welche die sieben Kräfte meines Geistes anzeigen.

(24)  Die Throne werdet ihr .aber erst dann besteigen, so ihr jene Scharen gefunden, oder mir die sichere Nachricht gebracht habt, was aus ihnen geworden ist, die mir und auch euch aus dem von mir verfluchten Reiche der Untertänigkeit und desselben Einerlei in so unübersehbaren Mengen nachgezogen sind, wie wir es gesehen haben.

(25)  Die bisher sie zu suchen Ausgesandten kamen stets nichtswissend zurück; nun aber wählet ihr euch ein jeglicher eine Schar und, sie führend, werdet ihr nach jenen emsig weiter suchen, denn irgendwo müssen sie zu finden sein; der erste von euch, der eine sichere Nachricht über sie oder sie selbst herbeibringt, wird auf meinem Throne neben mir sitzen - und seinen Thron wird derjenige für ihn einnehmen , den er von den Gefundenen als ersten herbeibringt.

(26)  Noch ist es nicht die Zeit, daß ich diese meine Schöpfung verlasse, um nach denen, die mir und euch nachgefolgt sind, uns aber nicht erreicht haben, selbst Nachschau zu halten; also sende ich euch und erhoffe besonders von euch vier Lebendigen und mit mir Schaffenden, daß ihr nicht eher wiederkommt, bis daß ihr jene gefunden und gebracht habt, die mir nachgegangen sind und mein werden.

(27)  Da fuhren die, welche er die Lebendigen und Schaffenden genannt hatte, hinter den Thron, und als sie wieder hervorkamen, waren sie zur Unkenntlichkeit vermummt, lächerlich und auch  schrecklich anzusehen, denn der erste dieser Lebendigen trug den  Mummenschanz wie eines Löwen mit offenem Rachen, heraushängender  roter  Zunge  und sieben schrecklich langen Zähnen,  der zweite  den  Mummenschanz   eines Stieres mit sieben starken, scharfen Hörnern und sieben Schwanzquasten, der dritte trug über seinem eigenen Kopfe eine Maske, ähnlich dem Antlitze eines finsterblickenden Menschen, aber mit siebenfachem  Munde der vierte den Mummenschanz wie eines Adlers,  mit  sieben   scharfbekrallten Fängen auf jedem seiner Füße, jeder der vier trug sechs  Flügel und alle vier waren von oben bis unten, vorn, hinten und  auf  den Seiten voll und voll gemachter Augen, die  wie  zuckende  Feuerflammen leuchteten.

(28)  Sie traten vor den Thron des alten Drachen, der sich  durch  den Mummenschanz des weißen Hauptes und Haares das Zeichen eines  ungleich größeren Alters vor den ändern gab, und, mit den vermummten Händen - die Flügel hebend, riefen sie :

Heilig, dreimal heilig ist unser Gott und Herr, der Schöpfer unseres  Reiches,  der  war, ist  und  sein wird, der die Schlüssel des Lebens und des Todes hat !

(29)  Und sie fielen mit den zwanzig ändern nieder und beteten ihn an rufend :

Allein du, Herr, bist unser Gott und allein du  bist würdig, von uns zu nehmen Preis, Lob,  Ehre,  Kraft, Herrlichkeit  und  Machtgewalt, denn  durch  deinen Willen hast du dein Reich  erschaffen,  welches  bestehen wird ewiglich !

(30)  Da stand er auf, erhob seine zu Fäusten geballten Hände, und, verzerrten Antlitzes in den fahlgelben Schein des. finsteren  Firmamentes   seiner Schöpfung aufblickend, schrie er :

Ich war, ich bin, ich schaffe, ich werde  sein,  und der Grimm meines Zornes  wird  alle  und  alles verzehren, was  nicht  mein  ist, nicht mein  sein  und mich nicht anbeten will ! – gehet !

(31)  Die vierundzwanzig seiner Großen erhoben sich, ein jeder rief eine Schar darauf wie schon Wartender zu sich, und wie in Sprüngen  strebte   ein jeglicher mit seiner Schar in eine andere Richtung aus dem Pfuhle  des Reiches der Hölle hinweg, dem finsteren Firmament e zu, welches die Welt des alten Drachen begrenzt.

 

Mental - Ray möchte informieren. Kein Kommerz, keine Werbung !
28. Juli 2010 20:11:00 +0200