Kapitel 10
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(1)     Und siehe !  Da sah ich ein zweites Gesicht, ein Gesicht im Gesichte, wie im Fieber zwiefach sehend, denn ich sah mich selbst  unter  jenen, die also anbetend zu  Gott  riefen, und ich stand dort selbst  zwischen zweien der Großengel inmitten all der andern, sah das furchtbare Sterben aller neben- und nacheinander, zuletzt  mit  jenen  zweien  selbst sterbend, zwischen denen ich war und die mir so bekannt  vorkamen, als wäre ich von Ewigkeit bei ihnen gewesen.

(2)     Dann ward es stille, wie eine Stille des Todes; es war aber  die Stille eines lebendigen Todes, ein Grab  von  ungeheueren  Maßen  ohne Wände und Boden, ein licht leeres Reich der tiefsten Bewußtlosigkeit und Ohnmacht; ich sah mich selbst mitten darin und doch sah ich von anderswo alles das und wurde dadurch so aufsetzt, daß ich, einen unbeschreiblich großen Schmerz empfand, ohne mir sagen zu können, welcher Art  er wäre.

(3)     Plötzlich aber ward es Licht um mich und ich hörte Seine Stimme in mir :

Jovian ! In  dieses  Reich  der Bewußtlosigkeit, der Ohnmacht und des Brachliegens hat niemand und  wird  niemand Einblick nehmen, als  allein  Ich  und du, dem Ich den  Einblick  gebe, damit du siehst, was  du  schreiben  sollst; hast du gesehen und  es  dir  gemerkt, sollst du auch  jene  Meine  Schöpfung schauen, die der Rettung  aller dieser Verirrten, Verführten, an  Seele  und Geist  Verdorbenen  dienen  wird,  die trotz des teilweisen, mehr  aber  noch vollständigen  Vergessens  alles  seit dem Anfange bis  anjetzt  Geschehenen, guten Willens Mich und  Mein  Reich suchen werden - und damit sie Mich  und  Mein Reich  wiederfinden,  Ich  zur  gegebenen  Zeit,   wesentlich-persönlich Selbst Sorge tragen  werde  in der Schöpfung, die nicht Mein Reich werden wird.

(4)     Da sah ich auf, fiel Ihm zu Fußen und,  keines  Wortes  mächtig,  ja Sein Wort auch voll zu erfassen unfähig, weinte ich bitter; -

(5)     Er aber legte Seine Hand auf mein Haupt und sprach :

Weine nicht; es ist Furchtbares geschehen, aber Schreckliches wird noch folgen Zeiten hindurch, bis daß alles • geschehen ist, was zur  entgültigen Rettung aller jener Meiner Engel geschehen wird müssen, die so mutwillig sich von Mir abgewendet und Mein für sie geschaffenes Reich verlassen ha­ben, um dem Großsprecher, Vater der Luge und Schöpfer der Hölle nachzugehen, der, sich selbst ins Verderben stürzend, auch alle mit sich ziehen will, die trotz allem Mein sind und, bis auf vereinzelt wenige, Mein wieder werden für alle Zukunft.

(6)     Als ich Sein Wort nicht mehr vernahm, sah ich auf,  und  siehe,   da stand Er nicht mehr bei mir, sondern mitten am Firmamente der Welten Seines Reiches im unbeschreiblich und  unaussprechlich   wunderbaren Lichte Seines heiligsten Wesens und Geistes - und mir ward die Kraft, Ihn so zu sehen, als stände Er bei mir.

(7)     Strahlend wirkte Sein heiliger Geist in alle Richtungen der Unendlichkeit, und in den Strahlen sah ich welche,  die  kraft  Seines heiligen Geistes auch vom Wesen Seiner heiligsten Gestalt ausgingen, zu schauen wie sieben wunderbar leuchtende, in ihrem  Wesen,  Kraft, Klang und Farben gleiche reine  Lichter,  aus  einem  und  demselben Lichte, eins seiend und doch  wieder  einzeln  von  einander  unterscheidbar - und da ich das sah, wußte ich alsbald, daß ich da Seine, sieben heiligen Eigenschaften im Wesen ihrer Strahlungskraft sehe :

Die Wahrheit, Güte, Liebe

Erbarmung, Vergebung, Gerechtigkeit und Selbstaufopferung.

(8)     Und da ich über das Wunderbare dieses Schauens nachdachte, habe  ich alsbald erkannt, daß die ersten drei Seiner  sieben  heiligen Eigenschaften in der ersten Seiner Schöpfung-, in den Welten Seines Reiches wirken, daß aber die ändern vier, Seiner zweiten Schöpfung und jenen gelten, um derentwillen Er eine zweite  Schöpfung  entstehen  lassen werde.

(9)     Im Schauen und Nachdenken verging eine Weile; da aber horte ich Seine Stimme wiedermals in ..mir :

Sieh jetzt um dich und merke, was du schreiben sollst !

(10)  Und alsogleich fühlte ich mich mitten im Reiche derjenigen,  die  da, alles Himmlischen verlustig, in tiefer Bewußtlosigkeit  und  Ohnmacht lagen, ein Schweigen und tiefe Stille ringsum, wie  in  einem  schier unendlichen, wände- und bodenlosen, ungeheuren Grab o, doch  aber  war das Düstere, ja Schreckhafte d-es vorherigen Aussehens des Ganzen einem Aussehen gewichen, das wie reine Dämmerung  eines  klaren Himmels  am Morgen zu schauen war, und di^ tiefe Stille einer heiligen Ruhe gleich.

(11)  Die Meere derjenigen, die da still lagen, waren Seelen ohne des gehabten himmlischen "Leibes, ähnlich so, wie ich sie  vor  Äonen  von Zeiten gesehen habe, nachdem sie an dem von Gott für sie  geschaffenen Anfange das Leben von und aus Ihm empfangen hatten und gestaltlich zu der Entwicklung gelangt sind, die in  einem jeglichen  seelischen Wesen als Grund- und Stammwert von aller  Ewigkeit  her  unentwickelt verborgen war.

(12)  Nun aber erschrak ich, als ich sah, daß viele  und  sehr  viele nicht mehr die Größe ihrer seelischen Gestalt  hatten,  sondern   ungleich kleiner geworden sind, ja zusehends nicht  nur  immer  kleiner werden, sondern auch die Formen ihrer Gestalt immer mehr an Deutlichkeit einbüßen - daß dasselbe noch  viel  augenscheinlicher  auch  mit vielen und sehr vielen der unzählbaren Arten der von den ausziehenden Kindern Gottes mitgenommenen Tiere geschieht - die wie noch größere und ungleich zahlreichere Seelenmeere zu schauen waren  als  die Meere der ohnmächtigen Seelen der Kinder Gottes.

(13)  Welche Zeiten in diesem Schauen  um  mich ' vergangen  sind, weiß  ich nicht; allein aber das habe ich im  Weiterschauen  gesehen  und   erkannt , daß die allermeisten Wesen all der Seelenmeere  ein ähnliches Aussehen bekamen, wie ich sie vor dem Anfange  als  bloßen  seelisch­geistigen Samen geschaut habe: winzig klein und auch größer, mit mehr oder minder verschwommenem Bildchen ihrer Gestalt und Formen  in  der seelischen Schale, den Geist als Kern einschließend; nun sind sie  zu ähnlichem Samen wieder geworden (nicht aber alle), jedoch sah  ich da in jedem einzelnen das Leben, aber kein  Bewußtsein  des Lebens  und Seins.

(14)  Anfänglich darüber erschrocken, was aus alle de m in der  Zukunft werden wird, habe ich mich bald  in  den  Gedanken beruhigt, daß  all dieser  seelisch – geistig - lebendige  Same  in  einer von Gott dafür geschaffenen Welt, wenn etwa auch  in  einer  ändern  Art und  Weise, so doch auch wieder zur Entwicklung und zum  Bewußtsein  des  eigenen Seins und Lebens gelangen werde da er einstens ohne Lebenskraft in Sein Reich gelangt  ist  und dort erst das Leben von und aus Ihm empfangen hat,  nun  er  aber das eigene Leben habe, wird  er  das verlorene  Bewußtsein auch anderswo erlangen können wie auch die Wiederentwicklung, .so  Gott  ihm eine entsprechende Welt dazu schafft.

(15)  In solchen Gedanken angesichts der unübersehbaren Meere  lebendigen Todes versunken, hörte ich mich beim Namen rufen, und  da  ich aufsah, ward ich den Meeren der Bewußtlosigkeit, der Ohnmacht und des Schweigens entrückt und sah Ihn in einer Welt Seines Reiches  stehen, umgeben von großen Scharen Seiner Engel, und ich fiel Ihm  zu  Fußen; Er aber hob mich auf, wies mit Seiner Hand eine Richtung  und  sprach :

Sieh hin !

(16)  Und da merkte ich, daß jene eine Welt Seines Reiches, von der aus erst der Auszug des einstigen, zum Lügner, Schöpfer der höllischen Finsternis und zum Satan gewordenen Großengelsundseiner Teufel, hernach aber auch der Auszug so unendlicher Zahl der Kinder Gottes stattgefun­den hat, nicht mehr an ihrem Orte, nicht mehr da war; als ich aber in die mir gewiesene Richtung  weiter  sah, siehe, da sah ich sie dem Reiche Gottes weit, weit in die Fernen der Unendlichkeit entrückt, in einer dem Pfuhl der Hölle  entgegengesetzten Richtung.

(17)  Er aber erhob Sich aus der Mitte der Schar Seiner Engel in  die Höhen, breitete Seine Hände in jene Richtung aus - und wie  einstens, Äonen von Zeiten zuvor die Welten Seines Reiches, sah ich Ihn nun Welten eines Reiches schaffen, welches Seinem Reiche  unendlich   ferne, nicht Sein Reich ist.

(18)  Die Schöpfung der Welten Seines Reiches und des Anfanges hat Er allein mich im Gesichte schauen lassen; - dieser  zweiten  Seiner  Schöpfung aber sahen unzählige Seiner Engel mit mir au - und wie einstens Äonen von Zeiten zuvor, sah ich auch jetzt von und aus Ihm Strahlen allerlei ändern Lichtes und allerlei anderer Kräfte ausgehen, die im Lichte der Strahlungskraft Seines heiligen Geistes alsogleich in weite Fernen der Unendlichkeit drangen, und alsbald sah ich überall dort eine Bewegung, ähnlich der, die ich bei der Schöpfung Seines Reiches einstens gesehen habe.

(19)  Allein sah ich damals die Bewegung der Fernen  allüberall, ober mir, allseits und unter mir, wogegen die Bewegung, die ich da mit den Scharen der Engel Gottes sah, einen zwar ungeheuren und unermeßlichen, doch aber nur einen Großteil der Fernen der Unendlichkeit erfaßte, und schon habe ich auch erkannt, daß von ihr jene Fernen ausge­schlossen sind, in denen der Satan mit den Seinen den Pfuhl der Hölle schuf.

(20)  Auch jetzt war die Bewegung der Fernen so zu schauen, als würden dort überall unzählige kleinere, größere und große Wolken Lichtes entstehen und immer kugeliger werden, als leuchteten viele aus sich selbst und als hätten andere kein eigenes Licht und als würden sie licht nur durch das Licht der andern.

(21)  Das Licht aber, welches den Welten dieser Schöpfung eigen  war, setzte mich in Staunen, und Staunen sah ich auf dem Antlitze der Kinder Gottes, denn das Licht, welches die Welten dieser  Schöpfung Gottes  aus sich selbst zeugten und strahlen ließen, war kein Licht der Welten und des Reiches Gottes - sondern ein unbekannt fremdes Licht, ein Licht wie  des  verzehrenden Feuers, ein Licht, unendlich arm  an allem, was dem Lichte der Welten und des Reiches Gottes eigen ist, ein Licht arm an Farben, dem Auge wehtuend,

(22)  So es groß und grell, oder auch wieder nicht die richtige Sicht bietend, so es klein und schwach ist und auch bei  der  größten  Kraft und Grelle nicht das durchdringend, von wo es ausging, was schon daran zu sehen war, daß so manche Welten  der  neuen  Schöpfung,  die   kein eigenes Licht hatten, nur so weit licht waren, so weit  die  Strahlung der ändern sie traf.

(23)  In dem Schauen merkte ich plötzlich, daß auch jene Welt, die aus dem Reiche Gottes dorthin entrückt ward, das gehabte eigene, also himmlische Licht eingebüßt hat, dabei auch sicher abertausendfach kleiner geworden ist als sie War, auch sonst anders aussah, trotzdem  aber unter den unzählbaren anderen Welten  der  neuen  Schöpfung  die Mitte einnahm.

(24)  Wie lange Zeit alles das gewährt hat? Ich weiß es nicht, denn im Schauen alles des dem Reiche Gottes Fremden, Andersartigen, Armen und doch wieder in der Vielgestaltigkeit irgendwie Ähnlichen,  Großartigen und Ungeheueren versunken, dachte ich an keine Zeit; es dünkte mir, daß alles das nur Augenblicke gewährt haben kann und neues Staunen ergriff mich, als ich  die Bewegung in dieser Schöpfung sah, die mir bisher entgangen war und mit den Engeln  Gottes  sank  ich  anbetend in die Knie vor Ihm.

 

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28. Juli 2010 20:11:01 +0200