Isais-Korrekturen
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Das richtige und das falsche Isais-Bild.

 

Das Wesen der ISAIS (Göttin Isais vom Untersberg etc.) hat in den vergangenen Jahrzehnten wieder Interesse hervorgerufen. Dabei sind falsche Schilderungen und Darstellungen jedoch nicht ausgeblieben, solche werden in verschiedener Weise gehandelt.

Dies ist leider geeignet, Menschen in die Irre zu führen, die sich mit diesem Aspekt näher beschäftigen wollen. 

Sei zunächst am Rande von der irrigen Auffassung Gustav Meyrinks in dessen Roman "Der Engel vom westlichen Fenster" gesprochen. In diesem Buch konstruiert der Dichter eine wenig historische Handlung um den englischen Alchimisten John Dee. Sowohl zeitverschoben wie auch sinnverwirrt, bringt Meyring Motive aus dem Umfeld der Templer-Gruppierung "Die Herren vom Schwarzen Stein," welche der deutsch-italienischen "geheimwissenschaftliche Sektion" des Ordens (SIGNUM SECRETUM TEMPLI) unterstand, ins Spiel. So taucht auch ein magischer "schwarzer Stein" auf, jedoch völlig verschieden vom Schwarzen Stein der Templer. Als Widersacherin des Alchimisten läßt Meyrink eine "Schwarze Isais" auftauchen, die mit der quasi-historische richtigen Form nichts gemeinsam hat. Wie wenig der Dichter sich an wahre Grundlagen hält, zeigt auch, daß er Kaiser Rudolph II. zur Zeit des Auftauchens von John Dee an dessen Hof als Greis schildert, während der Kaiser damals gerade 31 Jahre alt war. Einer "Adaptation" unterzieht Meyrink auch den 'Isais-Hymnus' ("Aus dem Lichte des Mondes ...).

Wenigstens hinsichtlich der Beschreibung des Äußern der "Isais" vermeidet er offenkundige Fehler. Dafür läßt sein geschilderter "Isais-Kult" keinen Fehler aus, da der Dichter die bizarren Rituale einer gnostischen Sekte mit dem tatsächlichen Isais-Aspekt verwechselt.

 All dies kann jedoch nicht schwerwiegend genannt werden, denn der Dichter Gustav Meyrink beansprucht keine Authentizität für sein Werk.

 Anders verhält es sich mit verschiedenen neueren Publikationen, die den Anspruch der "Dokumentation" für sich erheben, aber ein durchaus falsches Isais-Bild vermitteln (z.B. Isais mit kurzer Frisur etc.).

Über den Ursprung dieser Fehlerhaftigkeit, der auf die 1920er Jahre zurückgeht, soll an dieser Stelle Aufklärung erfolgen.

 

Die wiederentdeckte Isais.

 

In der Neuzeit wurde der Isais-Mythos im Jahre 1903 von der damaligen "Panbabylonischen Gesellschaft" zu Wien aufgegriffen, aus welcher unter der Leitung der jungen Wienerin Maria Orschitsch 1919 die "Alldeutsche Gesellschaft für Metaphysik" mit Hauptsitz in München hervorging. Bald wurde diese Gesellschaft auch "Vri-Il"- oder "Vril-Gesellschaft" genannt.

Diese Vereinigung verfügte über direkten einen Kontakt zur "Templer-Erbengemeinschaft" in Wien, von welcher ihr Originalunterlagen übergeben worden waren; insbesondere durch die Archivverwaltung DHvSS ("Die Herren vom Schwarzen Stein") zu Salzburg.

 

Die "Alldeutsche Gesellschaft für Metaphysik" beschäftigte sich fortan u.a. mit der Wiederbelebung und Weiterführung der alten Mythen um Isais und den magischen "Schwarzen Stein" sowie die Ideen des Templer-Komturs Hubertus, welcher im Auftrag des Wiener Großkomturs Hugo von Weitenegg die Ettenberg-Komturei am Fuße des Untersbergs bei Berchtesgaden leitete; 1938 nahm die Gesellschaft auch alte Fäden zum venezianischen Bucintoro-Orden auf.

Der Isais-Aspekt galt für die "Alldeutsche Gesellschaft für Metaphysik" als ein wichtiger Bestandteil eines größeren Gefüges, zu welchem auch die Mythe um die "Große Figura" und die kommende Herrschaft der Göttin Ischtar (Venus) im neuen Äon gehörte.

 

Für die "Vril-Gesellschaft" ist der Isais-Mythos zwar offenbar nicht von zentraler Bedeutung gewesen; er bildete jedoch einen wichtigen Baustein des größeren Gesamtgefüges. So ist es vielleicht kein purer Zufall gewesen, wenn sowohl die Farben der Isais (Schwarz-Silber-Violett) wie auch das dieser zuzuordnende Blitz-Signét in diesem Kreise Verwendung fand.

 

Ein damals besonders aktuelles Anliegen dieser überwiegend aus jungen Damen bestehenden Gemeinschaft war der Kulturkampf gegen die Entwürdigung der Frau durch Vermännlichung, etwa durch kurze Frisuren u.s.w. Daher wurde nach einer Abstimmung im Jahre 1922 die Verpflichtung zu langen Haaren für alle weiblichen Mitglieder der Gemeinschaft festgelegt.

 

An der Peripherie der Gesellschaft kam es zur Abspaltung einer kleinen Gruppe, welche sich der herrschenden Mode dennoch unterwerfen wollte. Durch diese gelangten Unterlagen aus dem Archiv in die Hände einer geschäftstüchtigen okkultistischen Gruppe, die unbedarften Menschen mittels Hokus-Pokus Geld aus den Taschen zog. Jene Gruppe präsentierte eine "modernisierte Isais" mit kurzer Frisur. Ende 1923, nach dem die 'Templer-Erbengemeinschaft' alle Originaldarstellungen, Siegel u.s.w. mit Hilfe des Bildmarkenrechts juristisch hatte schützen lassen, wurden die falschen Darstellungen verboten.

Im Jahre 1926 benutzte ein anderer okkultistischer Verein nochmals

falsche Isais-Darstellungen, wenngleich nur am Rande anderer Dinge.

Dieser Verein wurde 1934 aufgrund von Privatklagen mehrerer finanziell geschädigter Personen aufgelöst.

Die falschen Isais-Bilder und Texte waren damit vorerst verschwunden.

 

Erst nach dem zweiten Weltkrieg gelangten falsche "Isais"-Darstellungen erneut an die Öffentlichkeit und wurden abermals verwendet - zunächst von Menschen, die tatsächlich nicht wußten, es mit Fälschungen zu tun zu haben. Es bestand dort also anfangs keine Betrugsabsicht.

 

Das nach dem zweiten Weltkrieg neu entstandene falsche Isais-Bild ging übrigens auf ein sehr hübsches Berufs-Fotomodell zurück, welches dafür die optische Vorlage bot, ohne davon zu wissen.

 

Der Grund für die "Modernisierung" ist sicherlich einfach erklärt:

Zur geschäftlichen Ausnutzung eignet sich ein "Isais-Bild", mit dem möglichst viele Frauen sich identifizieren können, besser als das korrekte mit hüftlangen Haaren.

 

Der Fehler ist über mehrere Jahre nicht durchschaut, bzw. von Kennern der Materie gar nicht bemerkt worden, weil solche kaum in Verbindung zum "Esoterikgeschäft" standen. Dazu kam noch, daß sich auch in den informierten Kreisen längst niemand näher mit dem Isais-Aspekt beschäftige, diese Angelegenheit daher auch über Jahre hinweg kein Aufsehen erregte. Schließlich wäre es auch nicht allzu schlimm gewesen, gewissermaßen "zwei Ausführungen" zu präsentieren, wäre der dabei die historisch richtige nicht unterschlagen worden. Denn für Menschen mit ernsthaftem Interesse konnte natürlich allein das richtige Bild einen Wert haben.

 

Später aber, etwa Mitte der 1990er Jahre, wurde die Verbreitung des Fehlers erkannt; es wurden korrigierende Unterrichtungen an alle relevanten Firmen versandt. Offenbar wurde dies aber nicht bei allen wahrgenommen, bzw. nicht respektiert.

 

Die einzige richtige Isais-Darstellung ist die der Isais mit langen Haaren, wobei es die Ausformung vor der Dichtung "Höllenreise" mit bodenlangem Haar gibt und seit der "Höllenreise" mit hüftlangem Haar. Sämtliche Darstellungen einer "Isais" mit kurzer Frisur sind falsch.

 

Nicht immer muß es sich dabei um bewußte Fälschung gehandelt haben. Ein Ursprung des Irrtums lag womöglich in der Schilderung, daß Isais ihre bodenlangen Göttinnenhaare ein Stück schneiden ließ, wodurch sie auch den irdischen Frauen ähnlicher wurde - freilich den irdischen Freuen des Mittelalters, nicht denen des XX. Jahrhunderts.

 

An Originaldarstellungen der Isais sind heute noch vorhanden:

 

Eine aus Holz geschnitzte Figur (um 1235), Isais stehend mit dem Schwarzen Stein und wehenden hüftlangen Haaren. Von dieser Figur gibt es eine sehr genaue Zeichnung, angefertigt nach dem Original von dem Historiker Dr. H. Reiterich, sowie eine gelungene Kopie von dem Holzschnitzer Erwin Reiff. Die Originalfigur ist unbeschädigt erhalten, allein der Sockel ging im Laufe der Zeit verloren.

 

Ferner gibt es eine Zeichnung in Holz (um 1230) mit noch längerem Haar, sowie ein Tonrelief (um 1235), wiederum mit hüftlangen Haaren.

 

Das Isais-Amulett sowie das Malok-Siegel sind wahrscheinlich rekonstruiert worden, allerdings schon in verhältnismäßig früher Zeit (vermutlich um 1550).

 

Aus späterer Zeit (ca. 1870) gibt es Illustrationen zu der Dichtung "Höllenreise," die nicht zu den Originaldarstellungen gezählt werden können, obschon sie sich an die Schilderungen halten.

 

Aus jüngerer Zeit sind mehrere 'medial' angefertigte Zeichnungen verfügbar, die Isais teils mit offenen hüftlangen Haaren, teils auch mit einem Zopf zeigen. (solche Medialzeichnungen können zwar nicht als historisch gelten, sind jedoch durchaus bemerkenswert).

 

Als ungewiß muß gelten, ob das Frauenbild in einem Siegel des Ordo Bucintoro (Venedig um 1520) Isais abbildet. Die Ähnlichkeit zu einigen der 'Medialzeichnungen' erscheint aber äußerst verblüffend.

 

Hinsichtlich der Isais-Schriften können als echt, resp. originalgetreu in Gegenwartsdeutsch übertragen, folgende gelten:

Die "Isais-Offenbarung" Vers 1-86 (von da an streckenweise ungewiß)

sowie der kleine Text "Hoffnung".

Die Dichtung "Isais Höllenreise" (nicht zu verwechseln mit der in Ich-Form verfaßten Fälschung!) darf als aussagekräftig angesehen werden.

 

Gut übertragen ist der als "Hymnus" bekannte Originaltext:

 

Aus dem Lichte des Mondes, aus dem Dunkel der Nacht,

kommst Du herbei, Schwester Isai',

die Du immer uns gesehen, die Du unser stets gedacht.

 

Diese Aufzählung will jedoch nicht behaupten, sämtliche anderen bekannten Textfragmente müßten von Anfang bis Ende falsch sein.

Eine gründliche Aufarbeitung sämtlicher relevanten Schriften und Textfragmente steht noch an.

 

Mental - Ray möchte informieren. Kein Kommerz, keine Werbung !
28. Juli 2010 20:11:00 +0200