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Die Wahrheit über "Jud Süß" - Oppenheimer

Geschehen noch Zeichen und Wunder? Die Mehrheit vertritt die Auffassung, dass nein. Aber seltsam ist vielleicht unser Hinweis auf eine virtuelle Aufstellung im Zusammenhang über den Kriminalprozess gegen Joseph Süß Oppenheimer 1737/38:

Joseph Süß-Oppenheimer, Geheimer Finanzrat - Inquisition, Prozeß, Beweismaterial / Vermögenserfassung und -abwicklung -

Finden Sie selbst Ihre ganz persönliche Wahrheit, auch über die Fakten zum 1940 entstandenen Film "Jud Süß".

 Inhaftiert unter anderem auf der Burg Hohen Neuffen wurde Oppenheimer am höchsten Galgen erhängt und in einem Stahlkäfig jahrelang zur Abschreckung hängen gelassen.

Dies sind Fakten.

Folgen Sie nun den Verweisen auf die Seiten im Zusammenhang der virtuellen Ausstellung des Hauptstaatsarchives Stuttgart. Folgende beispielhafte Auszüge sind den behördlichen Stellen unverändert zur Bestandssicherung entnommen und können dort derzeit noch jederzeit von Jedermann eingesehen werden(Ablichtungen der vollständigen Auszüge können dort gegen Entrichtung des Unkostenbeitrages erstanden werden):

Quelle:

https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=21351

Findbuch zum Bestand A 48/14 - Strukturansicht

Bestand A 48/14: Joseph Süß-Oppenheimer, Geheimer Finanzrat - Inquisition, Prozeß, Beweismaterial / Vermögenserfassung und -abwicklung -
1. "Jud Süßen Inquisition"

 

A 48/14 Bü 1

 

Beginn der Tätigkeit der Inquisitionskommission, Mitte bis Ende März 1737 

Enthält u.a.:
- Abführung Joseph Süß Oppenheimers nach HohenNeuffen
- Arretierung der Bediensteten des Joseph Süß Oppenheimers
- Obsignierung der Effekten in seinem Haus
- Anzeige seiner sonsten hin und wieder vorhandenen Effecten
- Inventarisierung allgemein, einschließlich Victualien, Weine und Litteralien

- Vgl.: Einzelregesten der Schriftstücke Quadrangel Nrn. 2-8, 9a-10, 12-13, 16-32, 34-38 im Anhang des Findbuchs
(= directorium actorum) 

Quadrangel Nr. 2-8, 9a-10, 12-13, 16-32, 34-38

Beschlagnahmte Nachweise ab 1735 

 

 

 

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A 48/14 Bü 2

 

Tätigkeit der Inquisitionskommission, April bis 8. Mai 

Enthält u.a.:
- Inquisitions Commissions Protokoll vom 28. März bis 1. April 1737
- Einzelregesten der Schriftstücke Qaudrangel Nrn. 41, 43, 45 -66, 68 -78, 80 - 150 im Anhang
- Beschlagnahme von Effekten Joseph Süß Oppenheimers in Knittlingen,
- "Depositiones" gegen Joseph Süß Oppenheimer
- Verkauf seiner Pferde, Wagen, Geschirr, Viktualien und Weine
- Verhör zu Hohenneuffen,
- "gerügte verschiedene Vergehen, auch in puncti sexti"
- "Abholung der Hofkasse aus seinem Hause"
- Verhöre der Domestiken Joseph Süß Oppenheimers

- Vgl. Einzelregesten der Schriftstücke Qaudrangel Nrn. 41, 43, 45 -66, 68 -78, 80 - 150 im Anhang des Findbuchs
(= directorium actorum) 

Quadrangel Nr. 41, 43, 45 -66, 68 -78, 80 - 150

Beschlagnahmte Nachweise ab 1735 

 

 

 

 

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A 48/14 Bü 3

 

Weitere Tätigkeit der Inquisitionskommission, (continuatio actorum) bis 8. Juli 1737 

- Das den Zeitraum erfassende " Inquisitions Commissions Protokoll" vom 4. Juni bis 11. September
ist im folgenden Büschel 4, verwahrt

Enthält u.a.:
- "Erörterung der von Süß dem Land aufgedrungenen Pretiosen- und Warenlotterie"
- "dessen Versetzung nach HohenAsperg"
- "Reklamierung seiner Prädikate und in favorem erteilten fürstlichen Dekrete"
- "das von seinen Anhängern nachgesuchte kaiserliche Mandat de relaxando arresto"
- [betreffend] "den jüdischen Cassier Isaac und die anderen verhafteten Complices"

- Vgl. Einzelregesten der Schriftstücke Qaudrangel Nrn. 151 - 159, 161 - 172, 174 - 230, 232, 233,
235 - 244 im Anhang des Findbuchs (= "directorium actorum") 

0,01m, Qaudrangel Nrn. 151 - 159, 161 - 172, 174 - 230, 232, 233, 235 - 244

Ca. 8. Mai 1737-ca. 8. Juli 1737 

 

 

 

 

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A 48/14 Bü 4

 

"Iud Joseph Süs Oppenheimers InquisitionsProtokoll zu Hohenasperg" 

Inquisitions Commissions Protokoll vom 4. Juni bis 11. September (Vgl. auch Abschrift Bü 15)
Enthält u.a.: Gerichtliche Anordnung und Behandlung von Vorgängen in Bü 3 und 5 

0,14m, 1 Band

Ca. 4. Juni 1737-ca. 11. September 1737 

 

 

 

 

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A 48/14 Bü 5

 

Weitere Tätigkeit der Inquisitionskommission, (continuatio actorum) bis 5. September 

Enthält u.a.:
- Debitwesen
- vorrätige Gelder
- ehemalige Fourage- und Proviantlieferungen
- Münzverwaltung und Rechnungsbücher
- Zulassung des Lizentiaten Moegling "als Süßischen defensoren" (dabei: In Bogen vom 5. September
eingelegte Mitschriften von Verhören bis 2. Nov. 1737)

- Vgl. Einzelregesten der Schriftstücke Qaudrangel 245 - 300 (fehlen Nrn 247, 249, 265) im Anhang des Findbuchs
(= directorium actorum) 

0,04m

18. Juni 1737-2. November 1737 

 

 

 

 

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A 48/14 Bü 6

 

"Gütlich VerhörProtokoll" im Beisein "Moeglings als Süsische[m] defensor" 

Enthält u.a.:
- Stellenbesetzungen
- Stellung am Hof
- Haus in Ludwigsburg
- Zölle, Münzen, Debitwesen 

0,04m

26. August 1737-3. September 1737 

 

 

 

 

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A 48/14 Bü 7

 

Weitere Tätigkeit der Inquisitionskommission, (continuatio actorum) bis 24. Oktober 1737 

Enthält u.a.:
- "Süßische Effekten"
- Berufung von Beamten (Zeugenverhöre)
- "von General von Phull angelehnte 120 000 fl. "
- "von Süß puncto scortationis angegebene Personen"
- Untersuchung der Wechselbriefe
- Abrechnung der Lotterie

- Vgl. Einzelregesten der Schriftstücke Qaudrangel 301 - 350 (fehlen Nrn 309, 333, 334, 340)
im Anhang des Findbuchs (= directorium actorum) 

0,05m

2. August 1737-24. Oktober 1737 

 

 

 

 

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A 48/14 Bü 8

 

Weitere Tätigkeit der Inquisitionskommission, (continuatio actorum) bis 22. November 1737 

Enthält u.a.:
- Sistierung verschiedener Beamter nach vorgenommenen Zeugenverhören
- Weitere Zeugen vor der Inquisitionskommission
- Anordnung eines "peinlichen Gerichts" und "inquisitorischen Pozesses" gegen Joseph Süß Oppenheimer
- Münzliquidierung
- Zusammenarbeit mit dem verhafteten Kassier Isaac

- Vgl. Einzelregesten der Schriftücke Qaudrangel 351 - 400 (fehlen Nrn 380, 391) im Anhang des Findbuchs
(= directorium actorum) 

0,05m

Ca. 16. Oktober 1737-ca. 22. November 1737 

 

 

 

 

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A 48/14 Bü 9

 

Abschließende Tätigkeit der Inquisitionskommission, (continuatio actorum) vom 26. November 1737 bis 5. Februar 1739 

Enthält u.a.:
- "Süßische Defensionsschrift"
- " Losschließung [Joseph Süß Oppenheimers] von den Springen"
- "Versetzung des Kassiers Isaac nach Ludwigsburg in Gefängnishaft"
- "Zitation der Süßischen Kreditoren"
- "Weinhandel [Joseph Süß Oppenheimers] ohne Avis"
- "[Joseph Süß Oppenheimer] avisierte 75 000 fl. zu dem Münzwesen",
- " verschiedene Zeugenaussagen"
[dabei auch Vernehmung der Mutter Joseph Süß Oppenheimers, Quadrangel Nr. 434]
- "Erkundigung wegen der Münzunkosten und Abgangs"
- "Entweichnung des Kassiers und mitgenommenen Süßischen u.a. Wechsel"
- "das Uhlmännische ProviantLieferungsGeschäft und diesfalsige Prätension"

gesondert aufgezählt:
- "12 Piecen Rechnungsbrouillons über die an den Herzog und seine Gemahlin bezahlten Gelder"
- "Konzept Schuldverschreibung an Süß pro 3755 Rthl. vom 19. Dezember 1733"

- Vgl. Einzelregesten der Schriftücke Qaudrangel 401 - 457 (fehlen Nrn 401, 417, 423, 445, 457)
im Anhang des Findbuchs (= directorium actorum) 

0,05m

Vorgänge 1738 - 1739 betreffen vorwiegend Forderungen an den Nachlass Joseph Süß Oppenheimer 

 

 

 

 

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A 48/14 Bü 10

 

Stuttgarter "Inquisitionsprotokoll der in [des] Süßen Hause verhafteten Domestiquen u(nd) a(nderer) Personen vom 22.3 mart(ius) bis 28. Oct(ober) 1737 incl(usive)" 

Vorn eingelegte Registerseite: "In dem Stuttgarter InquisitionsProcoll kommen vor" mit Angabe
der Blattzahlen; vor Blatt 1 mit eingebunden 

Fol. 1- 357, zusätzlich 1 Bogen (vorn) lose

Ca. 23. März 1737-ca. 18. Oktober 1737 

 

 

 

 

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A 48/14 Bü 11

 

"Extractus actorum", insbesondere Urteil, Urteilsfindung und Urteilsbegründung 

11/1: "Urteil des peinlichen gerichts cum rationibus decidendi in Inquisitionssachen des Juden
Süß Oppenheimer" (Blatt 1 - 149)
11/2: Anbringen an den Herzog vom 18. Dezember mit Beilagen
- Begutachtung der Aktenlage, Würdigung der Beweislage ("extracus actorum")
durch das Judiciium Criminalis vom 12. November bis 7. Dezember 1737
(Blatt 1 - 46) = Grundlagen der Urteilsfindung
- erste Festlegungen zum Strafmaß Blatt 47 - 49)
- gesonderte Betrachtung des Tatbestands "crimen laesae majestatis vel quai perduellionis"
(Blatt 50 - 55)
- Text des Anbringesn an den Herzog vom 18. Dezember -an dieser Stelle eingebunden-
(Blatt 56 - 59)
- Urteil mit "rationes decidendi" - "jedoch stehe alles zu gnädigster Dijudicatur und
Ratification (Blatt - 60 - 83)
11/3 Ordnungsnummern 1 bis 8: "Votioscriptis" - Entwürfe / Mitschriften zu den Sitzungen
zwischen 12. Nov. 1737 und Jan. 1738
11/4 Regierungsratsprotokoll vom 9. Januar 1738 und "species facti" des Regierungsrats Jäger (1737)
11/5 "Hauptquestiones"
11/6 Hauptanklagepunkte [eigene Zuordnung, nicht zu dieser Akte Quadrangel "4"]
11/7 Forderungen, Geldangelegenheiten, Münzsachen 

0,12m

12. November 1737-ca. Januar 1738 

 

 

 

 

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A 48/14 Bü 12

 

"Continuatio actorum", Quadrangel 1 - 40 des beiligenden "directorium[s]" 

Enthält u.a.:
- Verurteilung und Art der Strafe bzw. Exekution
- "Uhlmännische Prätension an den Süß"
- "Alimentation seiner Beischläferin Fischerin u(nd) ihres spurii"
- "Expeditionen wegen des entwichenen Cassiers Isaac"
- "die mit Süß am 4. Februar [1738] vorgenommene Execution" 

0,10m

17. Oktober 1737-15. Februar 1738 

 

 

 

 

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A 48/14 Bü 13

 

"Continuatio actorum", Quadrangel 41 -101 des Directoriums in Bü 12 

Enthält u.a.:
- "dessen [Joseph Süß Oppenheimers] Debitwesen"
- " Berichtigung der Executionskosten"
- "die verhafteten Landschreiber Bühler und ExpeditionsRat Hallwachs u(nd) gegen lezten
verordnete peinliche Prozessierung"
- "Aestimation und Subhastation der Süßischen Juwelen, Pretiosen u(nd) seines Hauses" 

0,10m

Februar 1738-September 1738 

 

 

 

 

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A 48/14 Bü 14

 

Kopien von Inquisitionsprotokollen aus den Verfahren gegen Süß Oppenheimer (vgl. Vorlagen vgl. Bü 2, 4, 6 und 7), gegen Hallwachs und gegen Bühler, Band 1 [von 4] 

Enthält u.a.:
fol. 1: Eröffnung und Verhandlung der Inquisitionskommission, 21. - 23. März
fol. 12: Verhör des Sekretärs Gmelin, 23. März
fol. 14: Verhör des Sekretärs Hemmling, 23. März
fol.15: Verhör des Schreiners Widder mit 2 Gesellen
fol.17: Interimistische Verhandlung der Kommission, 24. - 27. März
fol. 28: Verhör des Juden Süß, 28. - 31. März (Ausfertigung = Bü 2)
fol. 80v: Verhöre des Expeditionsrats und Waisenhauspflegers Hallwachs
fol. 89v: Verhör des Landschreibers Bühler
fol. 92: Gegenüberstellung, gemeinsame Verhöre Bühler, Süß-Oppenheimer, Hallwachs am 1. April 1737
fol. 96v: Verhör des Expeditionsrats Hallwachs am 2. und 3. April
fol. 156. Verhör des Landschreibers Bühler vom 4. bis 7. Apruil 1737
fol. 250: Kommissionsrelation, "die zu Neuffen vorgenommenen drei Verhöre des Süß-Oppenheimer, Hallwachs
und Bühler betreffend", 9. April
fol. 264v: Auszug ("extractus") zu den der Vorgängen zwischen 27. März und 14. April 1737
fol. 279: Auszug ("extractus") zu den der Vorgängen zwischen 15. April und 1. Juni 1737 

0,12m

21. März 1737-1. Juni 1737 

 

 

 

 

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A 48/14 Bü 15

 

Kopien von Inquisitionsprotokollen aus den Verfahren gegen Süß Oppenheimer (vgl. Vorlagen vgl. Bü 2, 4, 6 und 7), gegen Hallwachs und gegen Bühler, Band 2 [von 4] 

Enthält u.a.:
fol. 321: Verhandlung der Kommission auf dem Hohenasperg, 3. Juni 1737
fol. 330v - 861 : Verhör des Juden Süß, 4. Juni - 4. September 1737 

0,12m

Ca. 3. Juni 1737-ca. 4. September 1737 

 

 

 

 

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A 48/14 Bü 16

 

Kopien von Inquisitionsprotokollen aus den Verfahren gegen Süß Oppenheimer (vgl. Vorlagen vgl. Bü 2, 4, 6 und 7), gegen Hallwachs und gegen Bühler, Band 3 [von 4] 

Enthält u.a.:
fol. 863 - 1250: Verhör des Expeditionsrats Hallwachs vom 6. Juli - 17. August 1737 

0,12m

Ca. 6. Juni 1737-ca. 17. August 1737 

 

 

 

 

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A 48/14 Bü 17

 

Kopien von Inquisitionsprotokollen aus den Verfahren gegen Süß Oppenheimer (vgl. Vorlagen vgl. Bü 2, 4, 6 und 7), gegen Hallwachs und gegen Bühler, Band 4 [von 4] 

Enthält u.a.:
fol. 1251: Verhör des Landschreibers Bühler vom 5. Juli - 7 September 1737
fol. 1456: Weiteres Verhör des Süß, 5. September 1737
fol. 1483: Verhör des Expeditionsrats Hallwachs, 5. September 1737
fol. 1506: "Gütliches Verhör des Süß", 26. August bis 3. September 1737 (Ausfertigung Bü 6)
fol. 1592: "Konfrontation zwischen Süß u(nd) Hallwachs", 6. September 1737
fol. 1605: "Konfrontation zwischen Hallwachs u(nd) Süß", 7. September 1737
fol. 1618: "Konfrontation zwischen Süß u(nd) Bühler, 10. September 1737"
fol. 1628. "Konfrontation zwischen Bühler u(nd) Süß, 11. September 1737" 

0,12m

Ca. 5. Juli 1737-ca. 7. September 1737 

 

 

https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=21351

 

 

1. Ein zeitgenössisches Medienspektakel und fiktionale Bearbeitungen

Der Kriminalprozess gegen Joseph Süß Oppenheimer hat zu seiner Zeit höchste Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erregt. Die Hinrichtung wurde als Spektakel inszeniert und vor einem massenhaften Publikum vollzogen. Zahllose Flugschriften, die ihre Käufer fanden, berichteten darüber. Namhafte Kupferstecher wie Elias Baeck aus Augsburg schufen Illustrationen vom Geschehen. Sie waren zum Teil eigens nach Stuttgart gereist, um ihm beizuwohnen.

Das Bild Joseph Süß Oppenheimers wurde davon nachhaltig geprägt. Die Geschichte des Juden, von seinem Aufstieg und Fall, wurde auch auf Gedenkmedaillen und in der gefälligen Form einer "Schraubmedaille" erzählt, sie lieferte den Stoff für eine populäre Alltagskultur.

Literarisch wurde dieser Stoff unter anderem 1826 von Wilhelm Hauff und gut hundert Jahre später von Lion Feuchtwanger bearbeitet.

Veit Harlan legte ihn 1940 seinem abscheulichen antisemitischen Hetzfilm "Jud Süß" zugrunde.

In unseren Tagen hat man den Fall des Joseph Süß Oppenheimer für ein Theaterstück aufgegriffen, das im Dezember 1999 in Stuttgart uraufgeführt wurde. Im selben Jahr wurde in Bremen eine Oper erstmals inszeniert.

Das Schicksal des Jospeh Süß Oppenheimer hat so eine Nachwirkung von ganz eigener Dynamik entfaltet. Die Forschung hat sich mehr mit dieser Nachwirkung als mit dem Geschehen selbst befasst. Zutreffend wurde 2001 von Gudrun Emberger festgestellt, dass "die Wirkungsgeschichte den historischen Kern" überwuchert.

 

*                      Die zeitgenössische Publizistik: Häme und Schadenfreue

*                      Medaillen zur Hinrichtung – auch ein Stück "Erinnerungskultur"

*                      Bearbeitung des Stoffs für Literatur und Film

*                      Der Film "Jud Süß" von 1940

Der Film "Jud Süß" von 1940

Der Film von Veit Harlan hatte eine große Breitenwirkung. Er war ein antisemitischer Hetzfilm. Auch wenn der Dramaturg und der Drehbuch-Autor im Hauptstaatsarchiv die Akten zum Kriminalprozess eingesehen haben (vgl. Kapitel 3 dieser Ausstellung), so basierte der Film doch in keiner Weise auf dem Aktenbestand.

Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg zeigt vom 9. November 2007 bis zum 20. Juli 2008 eine eigene Sonderausstellung zu dem Film von Veit Harlan.

1.19 Sammlungsstücke zum Film "Jud Süß"

Filmplakat zu Jud Süß

Sammlung Friedrich Knilli, Berlin

 

1.20 Das Buch zum Film

1941 erschien der Roman "Jud Süß" von J.R. George mit 16 Standbildern aus dem Film.

Staatsarchiv Ludwigsburg, Dienstbibliothek

Die zeitgenössische Publizistik: Häme und Schadenfreue

1.1 Flugblätter und Kupferstich

Kupferstich
Joseph Süß Oppenheimer, Verbotene Lust, List, Lügen und Betrug, an Galgen trug

Schon bald nach der Verhaftung, vor allem dann aber nach der Hinrichtung entstand eine Flut von Flugblättern, die über das Geschehen berichteten und offensichtlich ihre Käufer und weite Verbreitung fanden. Als Schmähschriften waren sie voller Schadenfreude über den Sturz des "Juden", dessen Aufstieg und Fall oft auch allegorisch dargestellt wurde.

In den Texten und Bildern wird häufig auf amouröse Beziehungen Oppenheimers zu verschiedenen Frauen abgehoben. Seine Lebensgefährtin Luciana Fischer steht hinter ihm in einem Bildnis, seine "drei Hauptmaitressen" streiten sich um sein "Erbgut", seine Geliebten erscheinen ihm als "fatales Traumgesicht", und am Fuße des Galgens platzierte man ein "Lamentierendes Jud Süssisches Frauenzimmer".

Oppenheimers Exekution

Die Hinrichtung Oppenheimers wurde in Kupferstichen dargestellt. Jenseits aller Tendenzen, die ihnen zugrunde liegen, geben sie ein realistisches Bild von der Vollstreckung des Urteils, die publikumswirksam inszeniert war.

Württembergische Landesbibliothek Stuttgart

Stadtarchiv Stuttgart

 

1.2 Handliche Druckschriften

Die Geschichte des Joseph Süß Oppenheimer wurde auch in zynischen Schriften erzählt, für die man die Form wissenschaftlicher Traktate gewählt hatte. Dazu kamen Schmähgedichte und fiktionale Dialoge, die ebenfalls als Druckschriften verbreitet wurden.

Hauptstaatsarchiv Stuttgart A 48/14 Bü. 113

1.3 Joseph Süß Oppenheimer – sein Leben in Stichworten

*                      wohl 1698 Geburt in Heidelberg als Sohn des Händlers Issachar Süßkind Oppenheimer und der Michele Chasan

*                      zwischen 1717 und 1735 Tätigkeit als Privatbankier und Großkaufmann in Frankfurt am Main

*                      1723 Pächter des kurpfälzischen Stempelpapiers, 1733 Münzproduzent des Landgrafen von Hessen-Darmstadt

*                      1732 Hof- und Kriegsfaktor sowie Schatullenverwalter des Prinzen Karl Alexander von Württemberg aus der Seitenlinie Württemberg-Winnenthal und seiner Frau Maria Augusta aus dem Hause Thurn und Taxis

*                      1733 tritt Karl Alexander die Nachfolge seines erbenlos verstorbenen Vetters Eberhard Ludwig als regierender Herzog in Württemberg an

*                      unmittelbar danach Ernennung Oppenheimers zum Württembergischen Residenten in Frankfurt am Main, zugleich Tätigkeit als Hoffaktor

*                      1736 Ernennung zum Geheimen Finanzienrat mit ständig freiem Zutritt zum Herzog

*                      12. März 1737 Tod des Herzogs, sofort danach Verhaftung Oppenheimers.
Die Anklage lautet auf Hochverrat, Majestätsbeleidigung, Aussaugung des Landes, Gründung neuer Ministerien und Ämter, Beraubung der Kassen, Dienstkauf, Ämterhandel, Bestechlichkeit, Errichtung von Pachtunternehmen, Münzverschlechterung und Kränkung der Landesreligion

*                      4. Februar 1738 Hinrichtung Joseph Süß Oppenheimers in Stuttgart. Sein Leichnam wird danach sechs Jahre lang in einem eisernen Käfig zur Schau gestellt

 

1.4 Fotografie Herzog Karl Alexander von Württemberg

Herzog Karl Alexander von Württemberg (1684-1737) aus der Linie Winnental regierte Württemberg von 1733 bis 1737

 

1.5 Fotografie Maria Augusta

Verheiratet war Karl Alexander mit Maria Augusta aus dem Hause Thurn und Taxis (1708 -1756)

 

1.6 Fotografie Denkmal

Denkmal im Hof des Schlosses Winnental für den Mops Karl Alexanders. Der Hund hatte seinen Herren während der Türkenkriege begleitet und – nachdem er ihn bei Belgrad verloren hatte – alleine den Weg nach Winnental gefunden.

1.7 Haus in Ludwigsburg

Oppenheimer Haus in Ludwigsburg in der Mömpelgardstraße

In diesem Haus in Ludwigsburg lebte Oppenheimer eine Zeit lang ganz in der Nähe des Schlosses. Es steht noch heute in der Mömpelgardstraße.

 

1.8 Fotografie Palais

In Stuttgart bewohnte Oppenheimer in der Seegasse dieses Palais. Es ist nicht mehr erhalten.

 

1.9 Fotografie Philipp Friedrich Jäger

Philipp Friedrich Jäger, Untersuchungsrichter im Prozess gegen Oppenheimer

 




 

Medaillen zur Hinrichtung – auch ein Stück "Erinnerungskultur"

1.10 Eine hämische Gedenkmedaille zur Erinnerung an die Hinrichtung

Eine Gedenkmedaille zur Erinnerung an die Hinrichtung, Holzschnitt

"Gedächtnuß-Müntz" von dem Juden Süß aus dem Jahr 1738, Holzschnitt

Württembergische Landesbibliothek

1.11 "Schraubmedaille"

 

Eine aufschraubbare Medaille

In der "Einlage" der aufschraubbaren Medaille wurde die Geschichte Oppenheimers erzählt. Auch in dieser gefälligen Form fanden populäre Darstellungen vom Geschehen Verbreitung. Die Medaille selbst ist identisch mit der des Holzschnitts.

Stadtarchiv Stuttgart

 

Bearbeitung des Stoffs für Literatur und Film

1.12 Wilhelm Hauff

1826 verarbeitete Wilhelm Hauff den Stoff in einer Novelle. Akten hat er dazu nicht benutzt.

 

1.13 Albert Dulk "Joseph Süß, der Jude"

1848 wurde in Königsberg das Drama "Lea" uraufgeführt, das der "1848er" Albert Dulk in Anlehnung an die Novelle von Wilhelm Hauff verfasst hatte. Auf Druck des Theaterdirektors musste das Stück bei der Uraufführung jedoch "Joseph Süß, der Jude" heißen. Dulk lebte später in Stuttgart.

Das Theaterstück wurde 1988 als "Wiederentdeckung" von der Württembergischen Landesbühne Esslingen gespielt.

Programmheft, Privatbesitz Gudrun Emberger

 

1.14 Lion Feuchtwanger

1927 publizierte Lion Feuchtwanger seinen historischen Roman. Auch er hat die Akten nicht eingesehen.

 

1.15 Fernsehspielfilm

1984 zeigte das ZDF ein Fernsehspiel.

Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Dienstbibliothek

 

1.16 Klaus Pohl "Jud Süß"

Das Württembergische Staatstheater Stuttgart hat 1999 das Drama "Jud Süß" von Klaus Pohl uraufgeführt.

 

Programmheft des Württembergischen Staatstheaters Stuttgart

Programmheft, Württembergische Landesbibliothek Stuttgart

1.17 Programmheft zur Oper "Joseph Süß" des Komponisten Detlev Glanert

Die Oper "Joseph Süß" des Komponisten Detlev Glanert wurde 1999 am Bremer Theater uraufgeführt

Privatbesitz Gudrun Emberger

1.18 Kopien aus dem Drehbuch und handschriftliche Notizen von Dieter Fuchs

Als neueste literarische Bearbeitung liegt ein Drehbuch zu einem Film des Stuttgarter Autors Dieter Fuchs vor. Über die Realisierung des Films werden noch Verhandlungen geführt.

Privatbesitz Dieter Fuchs

 

 

 

 

 


 

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