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31.10.2006
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Die Wasserstandsmeldung  

Neumond. Der  Himmel ist klar und ein kaum wahrnehmbarer lauer Wind streichelt die am Strand die am Strand dem Meeresrauschen lauschenden Pärchen, die in Ihrer Zweisamkeit im schwachen Lichte der unweit gelegenen Hotelanlage Ihr Plätzchen gefunden haben. Die  ruhigen Strände der bei Urlaubern aus Europa beliebten Insel sind nahezu einzigartig schön und laden auch dann zum Aufenthalt ein, wenn in Zentraleuropa eine gigantische Kaltfront den kalendarischen Frühlingsanfang gründlich misslingen lässt.  Arne Ericsson und Nadja Carlsen haben Glück gehabt sich kurzfristig einen  kleinen Traum erfüllt. Sie sind gemeinsam in wärmere Gefilde verreist. Fast schon zufällig ist Arne ein paar Wochen zuvor auf ein günstiges Angebot gestoßen und hat Nadja die gemeinsame Reise zu deren kleinen, gemeinsamen Jubiläum geschenkt.

An einem 19. März haben sich die beiden kennen gelernt und seitdem ist dieser Tag etwas ganz besonderes für sie. Heute sind sie nun schon seit acht Jahren zusammen und liegen eng umschlungen in dieser nächtlichen Idylle, genießen und lauschen den angenehmen Schauspielen der Natur. Die See ist flach, kaum größere Wellen rollen gemächlich an den Strand und sorgen für eine romantische Geräuschkulisse, während beide voller Sehnsucht und völlig in ihren tiefsten Gedanken versunken den gemeinsam ausgesuchten Stern am Firmament bewundern. Überall funkeln die Sterne, selbst der zu dieser Zeit besonders gut sichtbare Jupiter zieht in dieser dunklen Nacht gut erkennbar seine ewigen Bahnen, die den Lauf der Dinge im All der Unendlichkeit näher bringen, als dass es der Mensch je würde begreifen können.

Die beiden merken in Ihrer Versunkenheit gar nicht, wie die Zeit verfliegt, selbst nicht, als die nahen Außenlichter der Hotelanlage gegen Mitternacht verlöschen. Kein Laut der Zivilisation stört an diesem 19. März des Jahres 2007 die harmonische Atmosphäre. Nadja sinniert zufrieden und glücklich über die Tatasche, dass sie wohl mit ihrer Reise großes Glück hatten, indem sie zur rechten Zeit dem kalten Nordeuropa entkommen sind. Arne lacht und streckt dabei seine Füße aus, die er längere Zeit angewinkelt hatte. Sie waren ihm ein wenig eingeschlafen und der machte ein paar Bewegungen mit den Beinen, um die Durchblutung wieder in Gang zu bringen. Auch sein Rücken macht sich bei Arne auf der etwas harten Strandliege  langsam bemerkbar und er richtete sich auf, um sich zu strecken. Aber was er dann plötzlich sah, konnte er kaum  glauben. Vollkommen lautlos und völlig zu seiner Überraschung sah er seinen Liegeplatz von Wasser umspült. Hellwach geworden und erschrocken zugleich blickte er zu Nadja und sah auch ihren Platz im Wasser.

„Das gibt’s  doch gar nicht!“, entfuhr es Arne. „Komm, Nadja, für müssen hier weg, und zwar schnell!“. „Was?“, fragte Nadja, die noch immer nichts bemerkt hatte. „Wir sind im Wasser?“, antwortete Arne und stand auf um Nadja endlich aus ihren verträumten Gedanken zu reißen. Nadja hatte sich nun ebenfalls aufgerichtet und erschrak, als sie sich vom Wasser umgeben sah. Dabei hatten sich die beiden weit weg vom Meer an den Beginn des reinen, tagsüber im samtigen Weiß strahlenden Sandstrandes positioniert.

„So hoch kann das Wasser doch gar nicht kommen!“, stotterte sie verstört. „Kein Wind, keine Wellen und gehört habe ich auch nichts…“, wunderte sie sich. Die zwei standen sofort auf und waren mehr als knöcheltief im Wasser. Mit schnellen Schritten liefen sie zum meerseitigen Eingangsbereich der teuren Hotelanlage. Beide haben damals, zu Weihnachtszeit 2004 von der Katastrophe in Südostasien gehört. Sie konnten nicht fassen, was sie sahen und mussten verängstigt an die durch die Medien eingebrannten Bilder der in den Fluten getöteten Menschen denken. Die Hotelanlage lag etwas über dreieinhalb Meter höher, als der Meeresspiegel gewöhnlich war. Ebbe und Flut kannten beide bereits an diesem Ort genau und sie wussten beide, es war dies weder ein normale, durch die Gezeiten verursachte Flut, noch konnte es eine Sturmflut oder gar eine Killerwelle sein. Lautlos und überraschend stieg das Wasser unaufhörlich. Arne und Nadja waren auf ihrem Hotelzimmer in der siebten Etage angekommen und blickten von ihrem Balkon auf das Meer hinaus. Von dort aus kann man weite Teile der Inselküste einsehen und obwohl es kein Mondlicht gab, war das Licht der Sterne doch noch gerade so hell, dass man die Wasserlinie vom Land unterscheiden konnte. Soweit ihr Auge reichte, sahen sie nur, wie bedrohlich nahe das Wasser bis fast auf die zum Hotel führende, mit Sand befüllte, kleine Holzstiege  reichte. Ein unbehagliches Gefühl breitete sich bei den beiden aus. In der Ferne nahmen sie vom Meer Motorengeräusche wahr, zu dieser Zeit vollkommen unüblich. Auch an dem nahe gelegenen Küstenstädtchen war der kleine Fischereihafen beleuchtet und dort herrschte rege Betriebsamkeit. Offenbar brachten dort die Fischer ihre Boote in Sicherheit, denn auch da war das Wasser tief eingedrungen. Fast die gesamten Sandstrände mussten unter Wasser stehen!

Es war bereits tiefe Nacht geworden und eine trügerische Ruhe war eingekehrt. Ob sich die Situation entspannen wird? Eine Antwort darauf fanden Arne und Nadja nicht. Sie versuchten zu Schlafen und das Erlebnis zu verdrängen, aber dies gelang nicht. Bisher haben sie nur von einem Klimawandel gehört, nicht aber etwas davon selbst mitbekommen, denn dort, wo sie herkommen ist das Meer weit weg. Zwar gab es hie und da einmal die eine oder andere Extremwetterlage, aber in ihrer Heimat kennt ist das wohl schon seit längerem ein Problem, aber man hat sich darauf eingerichtet. Die meisten in der Heimat haben sich daran gewöhnt und nicht wenige gewinnen den immer wärmeren Wintermonaten durchaus auch etwas Positives ab. In den Ferien jedoch wollen die meisten von irgendwelchen Problemen nichts wissen. Sie reisen da hin, wo es einen Klimawandel nicht gibt, der gehört in die sichere Verdrängung.

Nadja konnte dies ebenso wenig, wie Arne tun, sie dachten über die schöngefärbte Verharmlosung der aktuellen globalen Veränderungen nach. Arne dachte, dies ist kein banaler Wandel, auch nicht nur eine Katastrophe, es ist dies das Ende der alten Zeit. Er wusste nicht, warum er das dachte, er fühlte es einfach, ebenso wie Nadja, die immer noch kein Auge zugetan hatte. Trotzdem war sie am nächsten Morgen die erste, welche sich besorgt auf den Weg zum Balkon machte und auf das Meer hinaus blickte.

Das Wasser war wieder etwas niederer, aber der Höchststand war an der klar abgegrenzten dunklen Linie, gesäumt von zahllosen, dunkelroten Steinen, die früher dick von Sand bedeckt waren. Das Meer hat an Ihrem Urlaubsdomizil die Existenzgrundlage vieler Hotelanlagen in nur einer Nacht hinweggespült. Aber darüber dachte Nadja nicht nach. Sie hatte immer noch gehofft, das alles wäre nur ein böser Traum, der am nächsten Morgen, bei strahlendem Sonnenschein, wieder verflogen und vergessen sein würde.

Er war es nicht, bei weitem nicht. Nichts desto trotz wollten Arne und Nadja ihren inzwischen nicht unbeachtlichen Hunger beim reichhaltigen Frühstück an ihrem Tisch stillen. Es schien alles, wie immer zu sein, die anderen Touristen waren da, das Personal arbeitete eifrig, die Folgen der nächtlichen Ereignisse zu beseitigen und vor allem das Wetter war schön und sonnig, wie immer. Aber etwas war doch anders. Überall an den anderen Tischen unterhielten sich die anderen Gäste über das plötzlich unerwartet hoch ansteigende Wasser. Offenbar haben einige Gäste sehr gute Sprachkenntnisse und sie können verstehen, was das Thema der hastigen und besorgt klingenden Gespräche war.

Am Nebentisch unterhielten sich zwei Herren, ein etwas älterer und ein jüngerer. Beide trugen einheitliche Kleidung und sahen fast schon uniformiert aus. Normale Urlauber sehen anders aus und schon in den letzten Tagen war Arne immer wieder der eine oder andere Gesprächsfetzen aufgefallen. So konnte er sich erinnern, dass beide nicht wirklich an einen reinen klimatologischen Umbruch glauben, sondern auch, dass es nur der Beginn einer viel größeren Umformung von globaler Natur sein würde. Noch am Vortag hätte Arne dies als Spinnerei abgetan, so wie er vieles für blanke Utopie, Phantasie und ausgemachten Schwachsinn hielt. Bis gestern. Nachdenklich lauschte er nun konzentriert auf das Gespräch der Herren am Nebentisch. Die sprachen deutsch, wie viele andere Hotelgäste und er selbst verstand auch sehr gut deutsch, denn seine Großmutter war in Deutschland geboren und einige Bekannt leben noch dort.

Einer der beiden Herren am Nebentisch erzählte seinem Tischgenossen, was er von einem Insider auf der Insel erfahren hatte. Überall sei man, die Regierung eingeschlossen, zutiefst besorgt über das, was in den letzten Tagen geschah und vor allem über das, was von den Zuständigen noch befürchtet wird. Geheim halten würden sie das, aber machen könnten sie nichts dagegen. Immer deutlicher werden die Spuren der Zeit an den Tag bringen, was der Welt bevorsteht. In kurzer Zeit, sehr kurzer Zeit, meinte der Ältere der beiden. Die Inselbewohner, so erzählte er weiter, wüssten keinen einzigen Fall in der Vergangenheit, wo das Wasser so hoch stand. Zwar gab es schon Sturm, wo der Wind aus Süd das Wasser ähnlich hoch drängte, aber so hoch war es noch nie gekommen. Man wisse auf der Insel genau um die Gezeiten bescheid und um welche Jahreszeit das Wasser besonders hoch steigt. Doch auch in diesen beiden Phasen um Juli und September war das Meer bei weitem nicht so hoch gestiegen. Niemals. Die Fischer sind tief besorgt und die Regierung hat längst und diskret Messstationen aufgebaut. Diese können nur noch den Grad der kontinuierlichen Zerstörung messen, nicht das Geringste dagegen ausrichten. Dieses mal sei das Wasser tief in die Fischereibuchten eingedrungen, noch dazu bei flacher See, keinem Wind und keiner Vollmondphase. Weder ein Erdbeben noch andere Ursachen für einen Tsunami sind bislang bekannt. Dieser Wasserstand ist für den Monat März ein absolutes Novum. Überhaupt einzigartig, aber eben nur der Anfang. Exponential würde es weitersteigen, das Wasser. Binnen Monaten könnte es zur Katastrophe kommen, alle nieder gelegenen  Hotels sind akut gefährdet. Das aber ist die kleinste Sorge, das eigentlich beklemmende an der Sache ist, das plötzlich alles in einem großen Zusammenhang erscheint und dass die Weltgeschichte das derzeit beginnende neue „Terraforming“ würde nie vergessen können.

Wer waren die beiden Herren, fragte sich Arne. Aber er fasste den Mut nicht zusammen, sie darauf anzusprechen, noch viel zu tief sitzt der Schock über das Erlebte und das eben Gehörte, an das er nun unweigerlich zwar nicht glauben musste, wohl aber erkannte er, es bringt nichts, die Frage nach dem Glauben zu stellen, wenn man es bereits weiß. Seine Intuition war richtig.      

 

 

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